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In "Aufmarsch - Die rechte Gefahr aus Osteuropa" (Residenz Verlag, 304 Seiten, 21,90 Euro) schildern Gregor Mayer und Bernhard Odehnal die rechtsextreme Szene in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien. Die Autoren haben in allen genannten Ländern selbst recherchiert. Sie zeigen, wie gegen Roma, Juden und Homosexuelle gehetzt wird und wie diese Propaganda in den Alltag einsickert. Sie stellen die neue Generation der "Führer" vor. Und sie verweisen auf die Querverbindungen zu rechtsextremen Gruppen in Deutschland und Österreich, die eine "Achse des nationalen Widerstands" schaffen wollen. Mayer und Odehnal benennen deutlich die Gefahr, die von dieser Entwicklung ausgeht - für die politische Stabilität der einzelnen Länder selbst wie für die Demokratie in der Europäischen Union insgesamt. Äußerst lesenswert!

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Heuer feiert das Mauthausen Komitee Vöcklabruck sein 25-jähriges Bestehen. In diesem Vierteljahrhundert hat das Komitee unzählige Aktivitäten gesetzt und auch eine ganze Reihe von Erfolge verzeichnen können. Unter anderem wurden bei den drei Nebenlagern des KZ Mauthausen im Bezirk Vöcklabruck Gedenkstätten errichtet.
Auf Anregung des Generalsekretärs des Internationalen Mauthausen Komitees (IMK), Albert Langanke, hat das Mauthausen Komitee Vöcklabruck jetzt eine reich bebilderte 24-seitige Broschüre herausgegeben. Diese dokumentiert an vielen ausgewählten Beispielen die seit 1985 geleistete Arbeit.
Die Broschüre "Mauthausen Komitee Vöcklabruck. 25 Jahre Entwicklung 1985 - 2010" von Robert Bach, Günther Grabner und Alois Sattleder kann unter voecklabruck@oegb.at oder unter 07672/23444 kostenlos bestellt werden.

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Harald Bergsdorf: Fakten statt Fälschungen. Argumente gegen rechtsextreme Parolen, Olzog Verlag, 14.90 €
Der moderne Rechtsextremismus arbeitet auf zwei Ebenen: Einerseits mit dem Aufbau kaderartiger Strukturen, andererseits mit einem Populismus, der die wahren antidemokratischen Ziele zumindest teilweise verbirgt. In den Diskussionen werfen rechtsextreme Agitatoren immer wieder Behauptungen unter das Volk, die nicht wahrer werden, wenn sie hunderte Male wiederholt werden. Oft ist es aber schwierig, mit Fakten den populistischen Parolen - von Islamisierung über Überfremdung bis zu Ausländerkriminalität - entgegen zu treten. Das vorliegende Buch darf getrost als Standardratgeber gelten. Kurz und verständlich werden die gängigen rechtsextremen Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin analysiert und es bleibt wenig Wahres über. Eine unverzichtbare Hilfe in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Ideologien liegt hiermit vor. Interessant, nicht nur für deutsche Leser, ist die kurz und prägnant vorgestellte Entwicklung der NPD und eine Übersicht über jene neonazistischen Symbole und Darstellungen, die in Deutschland verboten sind.

Dr. Roman Schweidlenka

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Rechtsextrem
Vom Mauthausen Komitee Österreich wurde das Buch von Christa Bauer und Willi Mernyi „Rechtsextrem – Symbole, Codes, Musik, Gesetze, Organisationen“ publiziert, Euro 19,80.
Wenn von Rechtsextremisten und Neofaschisten die Rede ist, entsteht in vielen Köpfen das Bild von kahl geschorenen, grölenden jungen Männern in Bomberjacke und Springerstiefeln. Doch in der rechtsextremen Szene hat eine Identitätenmischung stattgefunden.
Natürlich gibt es diese Gruppe von Rechtsextremisten und Nazi-Skins, und die von ihnen ausgehende Gewalt darf keinesfalls verharmlost werden. Es ist jedoch nicht immer einfach zu erkennen, wer zur rechten Szene gehört. Die Kleidung wird „cooler“ – modische Accessoires und Mainstream-Produkte statt Schläger-Outfits. Mit jugendkulturellen Codes auf der Kleidung, deren Bedeutung in der Regel nur in der Szene bekannt ist, outet man sich szeneintern. Besonders für LehrerInnen, JugendarbeiterInnen, SozialarbeiterInnen, BetriebsrätInnen, AusbildnerInnen und Eltern wird es immer schwieriger, rechtsextreme Modemarken, Symbole, Szene- und Dresscodes zu decodieren. Das Buch „Rechtsextrem“ bietet allgemeingültige Hintergründe zu rechtsextremen Jugendkulturen und liefert Informationen zu rechtsextremer Musik, Kleidung, Symbolen, zu Codes, Begriffen und Abkürzungen sowie rechtsextremen Organisationen. Zusätzlich widmet sich das Buch auch den Fragen „Was kann ich tun, wenn ich rechtsextreme Symboliken bei Jugendlichen erkenne? Was kann ich tun, wenn ich höre, wie nationalsozialistische Parolen oder Lieder von rechtsextremen Bands gegrölt werden? Wohin kann ich mich wenden?
Zu bestellen über http://www.rechtsextrem.at/bestellung oder im Buchhandel.

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Da mach´ ich nicht mit
Ab sofort ist das Pixi-Büchlein "Da mach´ich nicht mit! ... Argumente gegen "rechte" Sprüche ..." erhältlich. Das Heftchen kann heruntergeladen  oder auch in gedruckter Form kostenlos bei "Land der Menschen" bestelt werden.
Land der Menschen will mit einschlägigen Publikationen, Vorurteile gegenüber sog. AusländerInnen, Asylsuchenden, oder wie auch immer angebliche "Fremde" im Volksmund genannt werden abbauen. Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene - Download pdf.
Bestellungen an landdermenschen.ooe@aon.at Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können.

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Gefährliche Fahndung - 4er DVD-Box (Straßenfeger Nr. 20) - Regie: Rainer Hausdorf, Darsteller: Jaecki Schwarz, Rolf Hoppe, Günter Schubert, Ulrich Rudolph - DDR 1978 - 513 min
Der junge österreichische Kriminalinspektor Toni Pleisner ist ein erklärter Antifaschist. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf eine Gruppe ehemaliger Nazis, die an einem großangelegten Kunstraub beteiligt waren und nach 1945 mit dem so zusammengestohlenen Vermögen Rüstung und Propaganda in der BRD finanzieren wollen. Toni setzt sich auf die Spur der Nazis und verfolgt sie durch zahlreiche Länder. Bei seinen Ermittlungen, die ihn in die Türkei, die Schweiz und die BRD führen, kommt er dem ehemaligen NS-Wehrwirtschaftsführer auf die Spur, der unter falschem Namen in der BRD lebt.
Die Vorgeschichte zur Handlung dieser DDR-Fernsehserie basiert lose auf dem Leben des Ischler Kommunisten Sepp Plieseis (1913-1966), dem "Partisan der Berge", der nach seiner Flucht aus dem KZ im Salzkammergut eine Widerstandsgruppe aufbaute, mit dem berühmten "Igel" als Versteck im Gebirge bei Bad Aussee.

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Jens Urbat: Rechtspopulisten an der Macht. Silvio Berlusconis Forza Italia im neuen italienischen Parteiensystem, LIT Verlag, Hamburg, 39.90 €
Rechtspopulismus ist zu einem europaweiten politischen Phänomen geworden, das oft schwer fassbar ist und durch seine Unschärfe zu vielfältigen Spekulationen Anlass gibt. Die vorliegende umfassende Studie bietet eine differenzierte Diskussion der Begriffe Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus, ohne die keine klaren politischen Erkenntnisse gewonnen werden können. Der Autor zeichnet das alte italienische Parteiensystem nach, erklärt die Hintergründe für seinen Verfall (1994) und widmet sich dann ausführlich dem mehr als umstrittenen rechtspopulistischen italienischen Führer und seiner Partei. Dabei ist es erstaunlich, dass Berlusconis Aufstieg teilweise im Dunkeln liegt, vor allem ist unklar, wie er zu dem Kapital für seinen kometenhaften Aufstieg kam. Urbat zitiert italienische Studien und journalistische Recherchen, denen zufolge Berlusconi Kontakte zur Mafia unterhielt und Mitglied der faschistischen Geheimloge P2 war. Thesen besagen, dass aus diesen Quellen Geldflüsse den Aufstieg des skandalträchtigen politischen Führers ermöglichten. Berlusconi, ewig im Kampf mit der Justiz und überzeugt, über geltendem Recht zu stehen, beherrscht mit seiner medialen Macht einen beachtlichen Teil der öffentlichen Meinung in Italien. Die italienische Bevölkerung hat sich nach der überwundenen scharfen Grenzziehung zwischen antikommunistischer und prokommunistischer Politik (1989) von ihrem hohen Politisierungsgrad abgewendet und verharrt heute, vergleichbar der Situation in anderen europäischen Ländern, in großteils unpolitischer, egozentrischer Nabelschau.
Das Buch, das streng wissenschaftlichen Kriterien folgt, liest sich dennoch wie ein Kriminalroman, d.h. der Autor schafft die Kunst, geballte Informationen spannend an den interessierten Leser zu bringen. So entsteht das Bild und die Analyse einer rechtspopulistischen Partei zwischen oberflächlicher, klischeehafter, manchmal rassistischer, sexistischer Agitation und bedenklichen Verflechtungen bis hin zur Cosa Nostra. Unter all dem leidet die italienische Sozialpolitik und andere wichtige gesellschaftliche Bereiche. Urbat schließt sein Buch mit der Frage ab, ob Berlusconi eine Gefahr für die italienische Demokratie bedeutet. Seine Antwort sei hier nicht verraten.
Die vorliegende Studie ist sicherlich für alle politisch interessierten Italienfans ein Muss, bietet darüber hinaus aber auch allgemein an politischen, zeitgeschichtlichen und faschismuskritischen Inhalten Interessierten wertvolles Informationsmaterial.

Dr. Roman Schweidlenka

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ASLI BAYRAM - Grenzgängerin - Leben zwischen den Welten
Gütersloher Verlagshaus, gebunden, 175 Seiten,
ISBN: 978-3-579-06880-0 - Euro 18,50

Das beeindruckende Buch einer imponierenden Frau: authentisch, ehrlich, direkt, Einblicke in ein Leben geprägt vom Glauben an die Kraft von Wahrheit, Hoffnung, Menschlichkeit und Liebe.
Asli Bayram ist eine Grenzgängerin zwischen verschiedenen Kulturen und Lebensweisen. Beruflich wie privat reist sie um die Welt, lebt abwechselnd in London, Wien und Los Angeles. In diesem Buch erzählt Asli Bayram, wie sie ihr intensives Leben mit Leidenschaft, Zuversicht und Tatkraft aktiv gestaltet und dabei immer die elementaren Begriffe Toleranz und Respekt im Blick hat. Ihr Buch ist ein Lebensbericht als Parabel und Motivation für andere. Die Entschlossenheit und Präzision ihrer Film- und Theaterarbeiten spürt man auch bei der Lektüre ihres Buchdebüts.

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Martin Schmid und  Marco Storni: Jugendliche im Dunkelfeld rechtsextremer Gewalt. Viktimisierungsprozesse und Bewältigungsstrategien, Zürich 2009, Seismo Verlag

Über rechtsextreme TäterInnen und rechts orientierte Jugendliche gibt es inzwischen einige ernst zu nehmende, wissenschaftlich fundierte Werke, auch solche, die in leichter lesbarer Form über die Thematik informieren. Von den vielfach jugendlichen Opfern rechtsextremer Gewalt spricht aber (fast) niemand; es sei denn, es handelt sich um langfristige körperliche Schädigungen. Diese mögen gelegentlich ihren Weg in ein Medium finden und bei den LeserInnen für Betroffenheit sorgen. Die Folgeschäden auf psychischer, seelischer Ebene werden erstmals in dem vorliegenden Buch analysiert und dargestellt. Bedeutend scheint die Tatsache zu sein, dass die Opfer immer einem spezifischen Gruppenfeindbild entsprechen; ferner ist die Tatsache von Bedeutung, dass rechtsextreme Gewalt vor allem ein (groß)städtisches Phänomen ist, Anonymität bei der Gewaltausübung eine wichtige Rolle spielt. Der vorliegende Band beschreibt einzelne Opfer-Fälle von der Konfrontation mit Gewalt bis zu den verschiedenen (psychischen) Verarbeitungsversuchen und verbindet die Ausführungen mit den Grundlagen und Arbeitsmethoden der Soziologie.

Dr. Roman Schweidlenka

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Jürgen Peters, Christoph Schulze (Hg): "Autonome Nationalisten". Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag, Münster 2009

Die Zeit, in der der Archetypus des rechtsextremen Jugendlichen an Springerstiefeln, Glatze und Skinheadgebärden zu erkennen war, ist längst vorbei. Inzwischen arbeitet die extreme Rechte fleißig an der Unterwanderung so ziemlich aller Jugendkulturen und Musikszenen und toleriert auch langhaarige Neonazis, die mit Palästinenserschals durch die Straßen spazieren oder auf der Suche nach Satan ihre Identität finden. Eine neue Spielart sind die militanten autonomen Nationalisten, die das Outfit beim anarchistischen Schwarzen Block abgeschaut haben, so wie dieser auch gewaltbereit sind. Was sie unterscheidet: Der Ruf nach der Abschaffung des Staates auf Seiten der extremen Linken -   eine radikale neonazistische Ideologie auf Seiten der Rechtsextremen. Das vorliegende kleine Buch gibt erstmals einen umfassenden Einblick in diese neue rechtsextreme Jugendszene, die bereits bei Wiener Demonstrationen gesichtet worden war. Mit ihrer "Propaganda der Tat" tragen diese schwarz Vermummten rassistische Ideologien auf die Straße. Auch wenn es inzwischen in Deutschland mit der NPD strategische Meinungsverschiedenheiten gibt, sucht doch diese Partei die Stimmen bürgerlich gesinnter Men-schen zu bekommen, gibt es dennoch immer wieder Felder der Zusammenarbeit. Ein Buch für politisch In-teressierte und in der offenen Jugendarbeit Tätige.

Dr. Roman Schweidlenka

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Gut verständlich und praxisnah: Holger Kulick: "Das Buch gegen Nazis" Rechtsextremismus - Was man wissen muss und wie man sich wehren kann ISBN: 3462041606

Erste Hilfe gegen Nazis - das Handbuch zum Rechtsextremismus. Eine neue Studie zeigt: Neonazis haben unter Schülern immer mehr Zulauf. Rassismus und Fremdenhass nehmen zu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Was tun gegen Nazis? Erste Hilfe bietet dieses Buch. Rechtsextremismus breitet sich aus, nicht nur unter Jugendlichen. Neonazis erkennt man längst nicht mehr an Springerstiefeln und Glatze. Ihre Anführer geben sich cool - sie locken mit Musik, Abenteuern und modischem Chic. Immer mehr Menschen fragen: Was tun? Welche Rezepte gibt es, um friedlich und kreativ gegen Rechtsextreme und Rassisten vorzugehen - sei es als Nachbar, im Sportverein, in der Schule oder am Arbeitsplatz? Und was ist Rechtsextremismus überhaupt? Soll man mit Nazis eigentlich diskutieren? Woran erkenne ich die? Wie soll man auf Drohungen von Rechtsextremisten reagieren? Was tue ich, wenn meine beste Freundin plötzlich NPD wählt? Hilft ein Verbot der Partei? Und sind Sitzblockaden bei Neonazi-Demonstrationen eigentlich strafbar? Das Buch gegen Nazis vermittelt kompaktes Wissen und gibt praktische Tipps. Es stellt bei-spielhafte Initiativen vor und empfiehlt Ansprechpartner für Ratsuchende. Ein Anhang mit zahlreichen Fotos erklärt die Erkennungszeichen der Nazis von heute. Mit Vorworten von Thomas Krüger und Giovanni di Lorenzo und Beiträgen von zahlreichen Fachautoren. Ein Projekt der ZEIT und der Bundeszentrale für politische Bildung in der BRD.

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Martin Haidinger, Günther Steinbach - Unser Hitler - Die Österreicher und ihr Landsmann - 2009, 379 Seiten, Farb- uns SW-Abbildungen, gebunden, 24 Euro Ecowin Verlag, ISBN-13: 9783902404718

Noch immer liegt Hitlers Schatten über Österreich. Die beiden gebürtigen Wiener Günther Steinbach und Martin Haidinger analysieren hier sehr sachlich Hitlers problematisches Verhältnis zu seinem Geburtsland und das noch viel zwiespältigere der Österreicher zu ihrem Landsmann. Warum wurden so viele Österreicher Nationalsozialisten? Was ist dran an der Theorie von Österreich als Hitlers Opfer? Zeitzeugen bringen neue Fakten zutage, die zeigen, wie groß die Grauzone zwischen Anhängerschaft und Ablehnung tatsächlich war.

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Klaus Ottomeyer - Jörg Haider, Mythenbildung und Erbschaft - 2009, 203 Seiten, mit SW-Abb., kartoniert (TB), Drava-Vlg. ISBN-13: 9783854355670, 16.80 EUR

Als Jörg Haider im Herbst 2008 durch einen spektakulären, allein- und selbstverschuldeten Autounfall von der Bühne des (öffentlichen) Lebens abtrat, auf der er als sich als einzig echter und zuverlässiger Politiker verkaufte, wurde die Doppelbödigkeit seiner politischen Inszenierungen schlagartig sichtbar. Die damit verbundene Irritation wurde sofort überspielt und von seiner Gefolgschaft mit großflächigen Trauerbekundungen und Verschwörungstheorien beantwortet. Während die Aufteilung und Vermarktung seines Erbes unmittelbar danach einsetzte, wurde gleichzeitig versucht, Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung mit dem "verlorenen Liebesobjekt" unter Berufung auf die Trauernden im Land und die Pietät zu unterbinden.
Klaus Ottomeyer thematisiert und analysiert vor diesem Hintergrund die Trauer um Haider und die Idealisierung seiner Person. Die tiefe Betroffenheit von Teilen der Kärntner Bevölkerung und deren mediale Darstellung trafen außerhalb Kärntens auf Unverständnis. WelcheMechanismen dabei wirksam und welche Hoffnungen in die Person Jörg Haiders projiziert wurden, wird in der vorliegenden Studie untersucht. Zum vielfach ausgeblendeten Erbe Haiders gehören Ausgrenzungsrhetorik und Säuberungsmentalität gegenüber Minderheiten. Dies bringt eine permanente Gefährdung des Rechtsstaates mit sich. Dieses Erbe wird von Haiders politischen Nachfolgern mittlerweile konsequent umgesetzt. Umso wichtiger ist es, eine klare Position einzunehmen und den Missbrauch von Gefühlen und Hoffnungen zu analysieren.

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Laut gegen Rechts!

Neonazi-Provokationen bei einer Gedenkfeier ehemaliger Häftlinge im ehemaligen KZ-Außenlager Ebensee. Zeigen des Hitlergrußes bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung. Eine Nazi-Gruppierung, die für ihr Parteiprogramm aus SS-Schulungstexten abgeschrieben hat und trotzdem eingetragene politische Partei ist. Neofaschisten, die auf Demonstrationen offen auftreten und vor einer Moschee "Anzünden, Anzünden" skandieren. Diese Auflistung ist eine unvollständige Darstellung der Ereignisse der vergangenen Wochen.
Diese Zeiten verlangen nach einer lauten Gegenstimme!
Eine solche Gegenstimme stellt die CD "Laut gegen Rechts!" dar, die von der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ) mit Unterstützung zahlreicher namhafter österreichischer wie internationaler MusikerInnen herausgegeben wurde. Für den Sampler stellten unter anderem Attwenger, Texta, Russkaja, Sigi Maron, Mono & Nikitaman, Guadalajara und Tocotronic Lieder zur Verfügung.
Preis inklusive Versand: 5 Euro, Bestellungen per mail an: kjoe@kjoe.at

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David Harvey: Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Rotpunktverlag Zürich, Paperback, 279 S.,
ISBN: 385869343x, 24 €

Vom Neoliberalismus sprechen viele, meist sehr unfreundlich, doch wenig wissen, was denn dieser Neoliberalismus wirklich ist. In diesem Fall kann nur auf das gut lesbare, übersichtliche Buch des kanadischen Anthropologieprofessors David Harvey hingewiesen werden. Wer es gelesen hat, blickt ziemlich durch. Die folgenden Ausführungen folgen den Thesen und wissenschaftlichen Ausführungen Harveys.
Neoliberalismus ist eine spezielle Erscheinungsform eines alten Bekannten, des Kapitalismus. Und die zur Zeit mächtigste. Noch nach dem Krieg war der neoliberale Vordenkerkreis um Hayek, Friedmann und Karl Popper eine kleine kapitalistische Sekte.
Erfolge der Arbeiterbewegung, Bürgerrechtsbewegungen und demokratische Aktivitäten hatten zu dem "eingebetteten Liberalismus" oder Keynesianismus geführt: Die Macht der kleinen herrschenden Kapitalistencliques war etwas reduziert worden - keine Angst, diese Leute nagten auch damals nicht am Hungertuch - und die ArbeiterInnen und Angestellten bekamen etwas mehr von dem Kuchen, der ihre Arbeit gebacken wurde. Sie konnten in bescheidenem Ausmaß am gesellschaftlichen Reichtum mitnaschen. Das wiederum war den kleinen herrschenden Machteliten ein Dorn im Auge. Und sie entdeckten und förderten die kleine Sekte der NeoliberalistInnen.
Neoliberalismus setzt lautstark auf Grenzenlosigkeit und Freiheit. Was gut klingt, konkret ist damit aber vor allem die Freiheit der Unternehmer, mehr noch, der großen Konzerne gemeint. Nun gibt es aber in der neoliberalen Weltsicht ein paar abartige Hindernisse, die frecherweise dem Reich der Freiheit entgegenwirken:
> Starke Gewerkschaften
> Den Sozialstaat
> Ökologische Schutzbestimmungen
Diesen in neoliberalen Augen verwerflichen politischen Größen sag(t)en Neoliberale den Kampf an. Und förderten das Finanzkapital, das sich grenzenlos frei entfalten sollte, was zu unserer zur Zeit hinlänglichen bekannten Wirtschaftskrise führte. Auch wenn sich Neoliberale keinen regulierenden Staat wünschen: In Krisenzeiten rufen sie lautstark nach ihm.

Nach neoliberalem Glaubenskonzept ist die Förderung der (Super)Reichen unumgänglich, denn, würden diese immer reicher werden, würde auch der Reichtum irgendwie von oben nach unten einsickern, d.h. auch die Armen, besser gesagt, wir alle, könnten dann von Tropfen des wie Manna herabregnenden Kapitals trinken. Wie dies geschehen soll bleibt unklar. Durch Magie? Rituale? Beschwörungen? Hier sind uns neoliberale "DenkerInnen" die Antwort schuldig geblieben. Nur eines steht fest: In allen neoliberalen Staaten konnten sich die alten Machteliten neu festigen, in den ehemals kommunistischen Staaten bildeten sich neue Eliten. Der Reichtum dieser kleinen Schichten stieg sprunghaft an, während alle anderen finanziell deutlich abbauten. Die Schere zwischen arm und reich klafft wieder immer weiter auseinander. Die großen neoliberalen politischen Wegbereiter waren der Schauspieler Ronald Reagan, der auch US-Präsident war und die englische eiserne Lady  Thatcher, die es sich auch mit Iron Maiden anlegte (dies nur so nebenbei), aber auch angeblich "linke" Politfiguren wie der enttäuschende Jimmy Carter und sein Kollege Tony Blair.
Neoliberalismus muss nicht mit Demokratie gekoppelt sein, was nicht zuletzt der Fall der neoliberalen chinesischen Diktatur zeigt. Experimentierfeld des Neoliberalismus war Chile: 1973 puschte der Faschist Pinochet die demokratisch gewählte Regierung in die Gefangenenlager, tötete und folterte viele politische GegnerInnen mit Hilfe der ariergläubigen, faschistischen und pädophilen Sekte Colonia Dignidad und bereite den neoliberalen Boden vor.
So weit so schlecht. Wie dieser kleine, sehr unvollständige Einblick in die neoliberale Religion zeigt, sind viele unserer Sparpakete, der Abbau des Sozialstaates, die Schwächung der Gewerkschaften etc. nicht durch irgendwelche nebulosen Zwänge bestimmt, sondern nüchternes politisches Kalkül. Dass in dieser gesellschaftlichen Atmosphäre der Verunsicherung und des Herandämmerns der neuen Armut Menschen zu destruktiven Heilslehren im religiösen und politischen Bereich greifen ist verständlich.
Vielleicht ist der Rechtsextremismus die letzte "Rettung" des Neoliberalismus. Denn er lenkt meist von den Verursachern der Krise ab und richtet die Wut der Ausgebeuteten auf Feindbilder, die beliebig austauschbar sind. Ein weiterer Trick des Neoliberalismus ist es, seine seelische Leere mit "Werten" zuzudecken: So kam es zur spezies des homo neokonservativus, d.h. zu den Neokonservativen (über die sich Mike Jagger gar nicht nett äußerte), die Neoliberalismus mit meist reaktionär interpretierten "Werten" aufpeppeln möchten.
Es ist gut zu wissen, was läuft. Politische Bildung sollten wir uns leisten. Vielleicht auch das erwähnte Buch.

Roman Schweidlenka

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Pammer Leopold - Hitler und seine Vorbilder
zahlreiche Abbildungen, 324 seiten, 79 Euro, VDM Verlag Dr. Müller AG
ISBN ist 987-3-639-10178-2.
Übersicht über die Ideengeschichte und ihre Vertreter vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland. Überblick über die wichtigsten philosophischen Strömungen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, die Einfluss auf Hitlers Ideologie hatten. Von Richard Wagner über Georg Ritter von Schönerer, Karl Lueger und Lanz von Liebenfels bis zu Houston Stewart Chamberlain, Oswald Spengler und Dietrich Eckart spannt sich der Bogen der Persönlichkeiten, die mehr oder minder stark die Einstellungen Hitlers zu den Problemen seiner Zeit beeinflusst haben. Außerdem wird der verhängnisvolle Einfluss den die "Protokolle der Weisen von Zion" bis zum heutigen Tag auf den internationalen Rechtsextremismus hatten und haben, ausführlich dokumentiert.
Die bei den Antifa-Info-LeserInnen so gut angekommene Serie über Hitlers Vorbilder und die "Weisen von Zion" - erschienen von 2000 bis 2007 in 31 Teilen - gibt es also jetzt als Buch!
Weiterhin lieferbar: die "Vorbilder" als e-Book (zum Downloaden im PDF-Format) um 5,49 € - 229 Seiten - Tredition, ISBN: 978-3-86850-002-8

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Walter Kohl Die dunklen Seiten des Planeten - Rudi Gelbard, der Kämpfer Buchverlag Franz Steinmaßl 2008, 236 Seiten, ISBN 978-3-902427-56-4, EUR 24,50
Buchbestellung: geschichte-heimat@aon.at

Rudi Gelbard, geboren 1930, erlebte in Wien eine spannende und behütete Lausbuben-Kindheit in einer jüdischen Großfamilie. Die Idylle brach im Jahr 193 8 mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten.
1942 kam Gelbard mit seiner Familie in das KZ Theresienstadt. Dieses Lager war für die Nazis eine Art Verschiebebahnhof, von dort gingen die Transporte in die großen Vernichtungslager. Die Familie überlebte, weil seine Mutter in einer kriegswichtigen Produktion eingesetzt war.
Bei der Befreiung des Lagers 1945 lebten von den etwa 10.000 Kindern, die zeitweise dort gelebt hatten, noch 1.633, unter ihnen Rudi Gelbard. Neunzehn andere Mitglieder der Großfamilie kamen nicht mehr zurück, sie waren ermordet worden. Gelbards Vater, ein gebrochener Mann, starb nach wenigen Jahren, auch seine Mutter litt ihr ganzes weiteres Leben an den Folgen des erlebten Grauens. All das prägte Gelbard für sein weiteres Leben, er wurde ein glühender Mahner wider das Vergessen und ging keiner Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen undAuschwitz-Leugnern aus dem Weg. Schon das Kind Gelbard war im KZ „Zionist sozialdemokratischer Prägung" geworden, wie er es selbst nennt. Heute ist er Träger hoher Auszeichnungen und weithin anerkannte Zentralgestalt der Gedenkkultur.

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Brigitte Hamann, Hitlers Edeljude - Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch, Piper, ISBN: 978-3-492-05164-4 Gebunden 25,60 Euro, 512 Seiten, ca. 100 Abb.

Dr. Eduard Bloch (1872-1945) war in Linz Hausarzt von Hitlers Mutter Klara. Aufopfernd begleitete er 1907 ihr Sterben. Damals entwickelte sich eine herzliche Beziehung zwischen dem frommen Juden und dem 18-jährigen Adolf Hitler. Als der "Führer" 1938 in Linz einzog, erwähnte er mehrfach lobend den "Edeljuden Dr. Bloch". Er sorgte dafür, dass Bloch von der Linzer Gestapo "geschützt" wurde und 1940 mit seiner Frau in die USA emigrieren konnte. Doch Amerika wurde ihnen nicht mehr zur Heimat. Brigitte Hamann erzählt aus vielen privaten Quellen von Bloch und dessen großer Familie, von einem Leben in politisch wirren Zeiten. In "Hitlers Wien" hat sie die Ursprünge von Hitlers Antisemitismus erklärt. Hier widerlegt sie auch die absurde These, der jüdische Arzt Dr. Bloch sei einer der Auslöser dafür gewesen.

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Dunja Larise / Thomas Schmidinger: Zwischen Gottesstaat und Demokratie. Handbuch des politischen Islam, 320 Seiten, Zsolnay Verlag, ISBN: 978-3552060838, Preis: € 20,50

Die Diskussionen über den Islam und echten wie angeblichen politischen Islamismus sind in Österreich vor allem durch Unwissenheit und Verallgemeinerungen gekennzeichnet. Der kenntnisreiche Wiener Politikwissenschafter Thomas Schmidinger ist hier schon seit geraumer Zeit ein einsamer Lichtblick, nun hat er gemeinsam mit der in Sarajevo geborenen Dunja Larise ein "Handbuch des politischen Islam" herausgegeben, das sich vor allem mit der Lage in Österreich befasst. Verstärkt wurden Larise und Schmidinger dabei von einem Team junger StudentInnen und JournalistInnen.
Im ersten Teil wird in die Begrifflichkeiten eingeführt und die Geschichte des Islam in Österreich, die ja bis weit in die Monarchie zurückreicht, dargestellt.
Der zweite und eigentliche Hauptteil befasst sich mit Organisationen, Akteuren und Strukturen des politischen Islam in Österreich, gegliedert nach dem jeweiligen Migrationshintergrund - oder Nicht-Migrationshintergrund, denn auch den Konvertiten aus Österreich ist ein Kapitel gewidmet.
Der dritte Teil befasst sich mit der "Sonderfall" der "Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich" (IGGiÖ), die zwar die offizielle Vertretung der Religionsgeminschaft ist, innerhalb der moslemischen Community aber nur beschränkten Rückhalt geniesst.
"Zwischen Gottesstaat und Demokratie" ist ein gut aufgebautes und verständlich geschriebenes Standardwerk für jeden, der sich mit dem Islam in Österreich befasst. Es ist bestens geeignet als Einstiegslektüre in die Thematik ebenso wie als Nachschlagewerk für ExpertInnen - wobei hierfür ein Register hilfreich gewesen wäre, dessen Fehlen allerdings den einzigen kleinen Schwachpunkt des Buches darstellt.

Thomas Rammerstorfer

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Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht  - Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, Studienverlag 2008, 29,90 Euro

Zahlreiche NS-Kriegsverbrecher, unter ihnen Josef Mengele, Adolf Eichmann und Erich Priebke, entzogen sich der drohenden Strafverfolgung nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes durch Flucht nach Übersee. Als Fluchthelfer dienten vor allem internationale Organisationen wie das Rote Kreuz, das vielen ehemaligen Nationalsozialisten neue Identitäten beschaffte. Auch der Vatikan spielte eine entscheidende Rolle bei der Flucht von Kriegsverbrechern nach Südamerika oder in arabische Staaten.
Präzise zeichnet Gerald Steinacher die Fluchtwege von NS-Tätern nach, insbesondere die von den US-amerikanischen Geheimdiensten als „Rattenlinie“ bezeichnete Fluchtroute über Südtirol nach Rom oder Genua und von dort weiter nach Übersee. Er hinterfragt die Beteiligung der katholischen, aber auch der evangelischen Kirche sowie humanitärer Organisationen und beschreibt die vielfältigen Beziehungsgeflechte, auf die ehemalige Nationalsozialisten auf ihrer Flucht zurückgreifen konnten. Der Band trägt so entscheidend dazu bei, eines der dunklen Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte zu beleuchten.
Der Autor: Univ.-Doz. Dr. Gerald Steinacher ist Zeithistoriker und Archivar am Südtiroler Landesarchiv in Bozen, Mitglied mehrerer Historikerkommissionen in Deutschland und Italien sowie Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck und München. Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Zeitgeschichte Südtirols und zur Geschichte der Geheimdienste veröffentlicht.

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Colin Goldner, Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs Erweiterte Neuauflage, Alibri, 2008, 735 Seiten, Fotos, kartoniert, Euro 34.-

Weltweit darf der Dalai Lama zu fast jedem Thema in Mikrophone plappern: ob Menschenrechte oder Abrüstung oder Ökologie. Wer die beflissene Ehrerbietung, die dem „Gottkönig“ allerseits entgegengebracht wird, schon immer genervt zur Kenntnis genommen hat, sollte sich das neue Buch von Colin Goldner besorgen.
Denn Goldner schreibt eine politische Biographie des Dalai Lama, die gegen den Strich gebürstet ist. Das Buch folgt zum einen den Lebensstationen jenes Mannes, der als kleines Kind als „Reinkarnation“ Dalai Lamas „erkannt“ und im Kloster auf sein Amt vorbereitet wurde. Es beschreibt den Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee (der für Tibet, aller westlichen Propaganda zum Trotz, auch einen beachtlichen Modernisierungsschub, zum Beispiel im Bildungs- und im Gesundheitswesen, brachte) und die Flucht des Dalai Lama nach Indien. Und es schildert, wie aus einer Schachfigur im Kalten Krieg ein Friedensnobelpreisträger und Medienstar wird.
Noch aufschlussreicher sind die „Exkurse“, die sich systematisch mit einzelnen Fragen der tibetischen Geschichte sowie der besonderen Variante des tibetischen Buddhismus befassen. Vor allem, was die Lebensverhältnisse im Alten Tibet angeht, fördert Goldner erschütternde Informationen zutage; auch das Bild des friedfertigen, weisheitsorientierten Buddhismus erhält einige schwere Kratzer, denn durch die Geschichte des Lamaismus zieht sich eine Blutspur, die Dämonologie kann es locker mit der katholischen aufnehmen und die Rolle der Frau lässt sich nur als erniedrigend beschreiben.
Ganze Abschnitte seiner Arbeit widmet Goldner, der selbst mehrfach in Tibet und in Dharamsala war, der Menschenrechtsfrage. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass in Tibet diesbezüglich zwar „chinesische Verhältnisse“ herrschen, dass die Berichte der Pro-Tibet-Aktivisten jedoch maßlos übertrieben sind. Vor allem Behauptungen, die Militärdiktatur betreibe einen „kulturellen Völkermord“ reine Propaganda, haben rund 40 Jahre nach der Kulturrevolution keinerlei sachliche Grundlage mehr. Bis in die jüngste Vergangenheit  weist er den manipulativen Einsatz vor allem von Bildern (z.B. durch die Wahl des Ausschnitts oder falsche Bildunterschriften) nach.
Insgesamt ist Goldners Buch derzeit einzigartig – was die kritische Perspektive angeht und was die Informationsfülle betrifft.

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Sönke Neitzel, Abgehört - Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945. Mit einem Geleitwort von Ian Kershaw - 2007, erw. u. überarb. Ausg., XVI, 640 Seiten, mit SW-Abbildungen, List TB., 11.30 Euro,
ISBN-13: 9783548607603

Was dachte die deutsche Generalität während des Zweiten Weltkriegs über Hitler, die Kriegslage und die Siegesaussichten? Was wusste sie über die Kriegsverbrechen? Sönke Neitzel hat die Abhörprotokolle deutscher Stabsoffiziere in britischer Kriegsgefangenschaft ausgewertet und gewährt erstmals unmittelbaren Einblick in das Wissen und Denken der Wehrmachtführung.
Die Dokumentenedition umfasst 189 Abhörprotokolle aus dem britischen Sonderlager Trent Park. Dort wurden während des Zweiten Weltkriegs hochrangige deutsche Kriegsgefangene, vor allem Generäle und Stabsoffiziere, interniert, um ihre Gespräche systematisch abzuhören und auf diese Weise nachrichtendienstlich verwertbare Informationen zu gewinnen. Die edierten Gesprächsprotokolle waren das Ergebnis dieser Abhöraktion. Die Edition selbst ist eine Auswahl aus dem noch wesentlich umfangreicheren Aktenbestand, der im britischen Nationalarchiv lagert. Die Edition ist in vier Abschnitte gegliedert, die Abhörprotokolle zu den folgenden Themenkomplexen enthalten: allgemeine Reflexionen über den NS-Staat, die Strategie und den Kriegsverlauf, Gespräche über die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust, Stellungnahmen zum Widerstand gegen Hitler und zum 20. Juli 1944 sowie die Diskussionen über die Kollaboration mit dem Feind. Der Edition ist eine ausführliche, ausgewogene Einleitung vorangestellt. Nachteilig ist, dass man ständig zwischen dem Protokolltext und den Erläuterungen im sehr umfangreichen Anmerkungsapparat hin und her blättern muss.

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Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute, Be.bra Verlag, Berlin-Brandenburg 2008, Euro 20,50

Wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr überschaubar, für den "kleinen Bürger" nicht mehr erklärbar sind, dann boomen Weltverschwörungstheorien. Eine geheime Macht, die hinter den Kulissen die Fäden zieht, erklärt mit einfacher schwarz-weiß-Malerei, was komplex und schwer begreifbar ist. Wippermann zeichnet in seinem Buch eine geschichtliche Chronologie der Weltverschwörungstheorien, wie wir sie spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter beweisen können. Waren ursprünglich "nur" die Juden die angeblichen Drahtzieher von allem Bösen auf dieser Welt, so gesellten sich in späteren historischen Phasen Satanisten und Hexen, sodann Freimaurer und "Illuminaten" dazu. In unserer Gegenwart schließlich rühren auch böse Aliens kräftig im Weltverschwörungsbrei um. Interessant in diesem Buch sind u.a. die Ausführungen über antikommunistische, antikapitalistische und aktuelle antimoslemische und antiamerikanische Weltverschwörungsgeschichten. Heute ist dieses reichlich okkult angereicherte Heer von Verschwörerjägern zu einem brisanten Politikum geworden; wie seinerzeit in Dritten Reich. In trauter Eintracht mit dem Rechtsextremismus und dem islamischen Fundamentalismus sind Weltverschwörungsideen angetreten, um letztlich die Demokratie abzuschaffen und wieder einer Führer-Elite die politische Macht anzuvertrauen; damit diese uns von dem Übel der Weltverschwörung erlösen möge. Fazit des Autors: "Es droht ein Rückfall in eine vor- und antiaufklärerische Zeit." (S.163). Ein brisantes Buch, das seinen festen Platz im Feld politischer Aufklärung verdient. - Roman Schweidlenka

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Klaus Schnellenkamp. Geboren im Schatten der Angst. Ich überlebte die Colonia Dignidad, Herbig, München 2007, Euro 20,50

Seine Eltern waren in Deutschland angeworben worden. Andere Heilsucher kamen aus Österreich. Sie alle folgten Paul Schäfer nach Chile. Eine krude Bibelauslegung zwang zu unbedingtem Gehorsam. Mit harter Arbeit wurde jeder freie Gedanke ausgemerzt. Die Kindheit und Jugend in dieser Sekte war, wie es anschaulich in dem Buch nachgelesen werden kann, die Hölle. Sektenchef Paul Schäfer war aber nicht nur gnadenloser Führer und finanzieller Betrüger - er war auch pädophil, missbrauchte zahlreiche Jugendliche und übte sich im Waffenhandel. Der chilenische Faschismus unter Pinochet, für dessen Freilassung sich seinerzeit der damalige Papst und der jetzige Dalai Lama einsetzten, verbrüderte sich mit der Sekte, die den klingenden Namen Colonia Dignidad trug: Kolonie der Würde. Auf dem großen Gelände der Kolonie errichteten die chilenischen Faschisten ihr geheimes Folterzentrum. Politische Gegner wurden dort nach allen Regeln der Kunst gequält und getötet. Trotz Interventionen von Amnesty International und anderer Organisationen konnte sich die Foltersekte über 60 Jahre halten!
Es wirkt fast unglaubwürdig, wie der junge Schnellenkamp in dieser Welt des leibhaftigen Horrors überlebte und dann seine Flucht in die Wege leitete. Bald darauf wurde die Sekte von einer neuen Regierung aufgelöst und mit einer Prozesslawine überzogen. Der aufrüttelnde Tatsachenbericht über eine Kindheit und Jugend in einer faschistischen Sekte, von den Eltern entfremdet, mit Zwangsarbeit, Strafwillkür, Psychoterror und faschistischer Erziehungsdisziplin, geht unter die Haut. - Roman Schweidlenka

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Neugebauer, Wolfgang - Der österreichische Widerstand 1938-1945, Edition Steinbauer 2008, Broschur, 276 Seiten, 34 Abbildungen - ISBN: 978-3-902494-28-3 - 22,50 Euro

Der Autor gibt vor dem Hintergrund des NS-Terrors, aber auch der nationalsozialistischen Durchdringung breiter Bevölkerungsteile einen Überblick über die Gruppierungen und Formen des österreichischen Widerstands gegen das NS-Regime zwischen 1938 und 1945. Der Bogen spannt sich von sozialistischen und kommunistischen Organisationen über den Widerstand aus dem christlichen, konservativen und monarchistischem Lager, über überparteiliche Gruppen wie etwa "O5", den Partisanenkampf insbesondere der Kärntner Slowenen und Widerstand im Militär (Desertionen, Aktionen am 20. Juli 1944 und im April/Mai 1945) und in KZ bis hin zu den von unzähligen Einzelpersonen gesetzten Widerstandshandlungen ("heimtückische" Äußerungen, "Schwarzhören", nonkonformistisches Jugendverhalten, Hilfe für Juden und andere Verfolgte).
Ergebnisse und Stellenwert des Widerstands werden auch in Zusammenhang mit dem von den Alliierten in der Moskauer Deklaration 1943 geforderten "eigenen Beitrag" Österreichs zu seiner Befreiung behandelt. Biografische Exkurse, zahlreiche Faksimile, Quellentexte und Fotos ergänzen die Arbeit.

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Lisl Rizy, Willi Weinert: "Bin ich ein guter Soldat und guter Genosse gewesen?". Österreichische Kommunisten und Kommunistinnen im Spanischen Bürgerkrieg und danach. Wien 2008, 160 S. m. mehr als 270 Abb.; 15.- Euro (excl. Versandspesen). ISBN: 978-3-9502478-0-0.
Bestellen unter: Per Mail an: wiener.sternverlag@chello.at oder an Buchhandlung Hans Jauker, Wien 1140, Sampog. 4 (Tel. Nr. 985 97 77) oder schriftlich an: ISKRA: A 1160 Wien, Rankg. 2/5.

Das von Lisl Rizy und Willi Weinert gestaltete Buch hat die Intension, die Erinnerung an den Beitrag der Österreicher und speziell der österreichischen Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg wach zu halten. Dazu wählten wir die Form eines "Lesebuches", das aus bereits in der Vergangenheit publizierten Arbeiten, oder Auszügen daraus, zusammengestellt wurde. Und weil es konkrete Menschen mit Namen und Gesichtern waren, die an diesem Kampf teilgenommen haben, finden sich in diesem Buch erstmals die Namen der Kommunisten und Kommunistinnen, die als Freiwillige nach Spanien gegangen waren, sowie eine Liste jener, die Opfer in diesem antifaschistischen Kampf wurden, wobei auch jene erwähnt sind, die danach in den KZ's oder als antifaschistische Kämpfer an den verschiedensten Fronten des Kampfes gegen den Faschismus ihr Leben verloren.
Sie wurden nicht nur aufgelistet, um den hohen Anteil der Kommunisten an diesem Kampf zu dokumentieren, sondern auch um sie für die Zukunft im kollektiven Gedächtnis zu behalten. Sie gehören zu jener kleinen Gruppe von Österreichern und Österreicherinnen, die den, gemäß der Forderung der Alliierten Mächten auf der Moskauer Konferenz (1943), von Österreich geforderten Beitrag zur Befreiung Österreichs leisteten. Sie hatten Anteil daran, dass Österreich 1945 wieder als ein freier, unabhängiger Staat erstehen konnte.
Auch wenn diese Arbeit das Ziel verfolgt, die österreichischen Spanienkämpfer der Vergessenheit zu entreißen, ist es notwendig, darauf hinzuweisen, dass es nicht darum gehen kann, diese Menschen und ihre Taten zu überhöhen. Wie anderswo auch, handelte es sich um Menschen, deren Lebensumstände oft harte Bedingungen hatten, die in sich positive und negative Eigenschaften vereinten, bei einigen wenigen überwogen letztere. Dies tut aber der geschichtlichen Leistung der österreichischen Antifaschisten in Spanien keinen Abbruch.

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Erich Fein & Karl Flanner
Rot-Weiß-Rot in Buchenwald
Die politischen österreichischen Häftlinge im Konzentrationslager am Ettersberg - Überarbeitete Neuauflage
Verlag: Verein Alltag 2008, 268 Seiten, ISBN: 3902282193 

Buchenwald, das Konzentrationslager mit der anheimelnden Bezeichnung, die Hölle am Ettersberg bei Weimar, durch deren Tor während der Zeit ihres achtjährigen Bestandes 239.000 Menschen schritten, von denen mehr als 56.000 getötet wurden. Unter ihnen waren etwa 6.500 Österreicher, von denen mehr als tausend nicht mehr zurückkehrten.
Buchenwald, das Lager, in dem Kameradschaft und internationale Solidarität zum Sieg über den Terror der SS führten und in dem es den politischen Häftlingen gelang, sich Waffen zu besorgen, in einem günstigen Augenblick die durch den amerikanischen Vormarsch schwankend gewordenen SS-Bewacher zu verjagen, mehr als 200 von ihnen gefangen zu nehmen und sie später den amerikanischen Truppen zu übergeben. Man hat dies später als das »Wunder von Buchenwald« bezeichnet.

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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.)
Jahrbuch 2008 - Schwerpunkt Antisemitismus
Redaktion: Andreas Peham, Christine Schindler, Karin Stögner
Lit Verlag, Wien 2008, 285 Seiten, € 13,50

Das diesjährige Jahrbuch des DÖW nähert sich dem Phänomen Antisemitismus aus verschiedenen Blickwinkeln. Ausgehend von einem weiten Antisemitismus-Begriff, der allen Beiträgen zugrunde liegt und jede judenfeindliche Ein-/Vorstellung bzw. Handlung umfasst, wird insbesondere der Aspekt der Kontinuität in den Vordergrund gerückt.

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Bernhard Rammerstorfer - Ungebrochener Wille - Der außergewöhnliche Mut eines einfachen Mannes - Leopold Engleitner, geb. 1905
Biografie des ältesten Überlebenden der KZ Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück
ISBN 978-3-9502462-0-9, 448 Seiten, 184 Bilder, Pappband, Werkdruckpapier, Preis: € 24,90,
Eigenverlag Rammerstorfer, Herzogsdorf 2008 (im Buchhandel erhältlich) oder direkt über: www.rammerstorfer.cc

Das Buch enthält fast 60 Jahre lang verschollene Briefe Engleitners aus der Gefangenschaft, Originalprotokolle aus den 1930er-Jahren und KZ-Tatsachenberichte aus den Konzentrationslagern sowie beinahe 100 Jahre zurückliegende traumatische Kindheitserlebnisse.
Als Leopold Engleitner 9 Jahre alt war, trug sich in seinem Heimatort ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung zu, das zum Ersten Weltkrieg führte.
Obwohl Engleitner und der 16 Jahre ältere Adolf Hitler im gleichen österreichischen Bundesland (Oberösterreich) und im selben Kulturkreis aufgewachsen sowie im gleichen Schulsystem unterrichtet worden waren, entwickelte Engleitner völlig konträre Überzeugungen. Während Adolf Hitler zum Leidwesen von Millionen zum menschenverachtenden Massenmörder wurde, widmete Leopold Engleitner sein Leben dem Frieden und ließ sich davon selbst angesichts des Todes nicht abbringen.
Der einfache Bauernknecht brachte den außergewöhnlichen Mut auf, seinem Gewissen zu folgen und den Dienst in Hitlers Armee zu verweigern. Er grüßte nicht mit "Heil Hitler!". In drei Konzentrationslagern ertrug er unbeschreibliches Leid und magerte auf 28 Kilo ab. Nichts und niemand konnte seinen Willen brechen. Eine Unterschrift hätte genügt und er wäre frei gewesen, aber er gab seine religiöse Überzeugung als Zeuge Jehovas nicht auf. Nie verlor er seinen Optimismus. Engleitner kaufte sich im KZ sogar einen Koffer für die unmöglich scheinende Heimreise.
Nach dem Krieg wurde er jahrzehntelang ausgegrenzt und verachtet. Mit unerschütterlichem Gottvertrauen bewältigte er ein Leben voller Ablehnung und ließ sich die Lebensfreude nicht rauben. Engleitner ist jetzt der älteste Überlebende der KZ Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück.
Eine außergewöhnliche Freundschaft verhalf ihm zu einer unerwarteten Rehabilitierung.
Im hohen Alter begann der älteste bekannte KZ-Überlebende weltweit eine erstaunliche Tätigkeit als Zeitzeuge gegen das Vergessen und reiste mehr als 82.000 Kilometer durch Europa und die USA. Das entspricht einer Distanz von mehr als zwei Erdumrundungen. Tausenden von jungen Menschen führte er an Schulen und Universitäten, darunter die Columbia University und die Stanford University, die schrecklichen Auswirkungen totalitärer Regime und Gruppenzwang vor Augen. Mit seiner Lebensgeschichte sensibilisiert er die Jugend, bei Unrecht nicht zu schweigen und vermittelt die hohe Bedeutung von Toleranz und Menschlichkeit für den Frieden.
Im 102. Lebensjahr wurden Leopold Engleitner für seine mutige Haltung während des NS-Regimes und sein langjähriges verdienstvolles Wirken als Vortragender an internationalen Universitäten, Schulen und Gedenkstätten folgende hohe Bundesauszeichnungen verliehen:
- "Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich" vom österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer
- "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" vom deutschen Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler

"Das Werk ist ein Markstein in der Berichterstattung über die Schrecken des Nationalsozialismus. Das Buch ... ist eine Pflichtlektüre und ich freue mich, dass die Übersetzung in den Vereinigten Staaten bereits große Beachtung gefunden hat.
Man kann den Mut und die unglaubliche Standfestigkeit von Leopold Engleitner geradezu fühlen. Schwer misshandelt, ausgehungert, herabgewürdigt, gefangen und verhöhnt, ist er sich auch in den schlimmsten Zeiten treu geblieben."

Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident der Republik Österreich

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Walter Kohl , Nacht die nicht enden will. Fritz Inkret, Februarkämpfer 1934-1945, Leykam Verlag
ISBN: 978-3-7011-7606-9 - 160 Seiten, gebunden, EUR 24,90

Fritz Inkret aus Leoben erzählt in diesem Buch seine Geschichte. Mit 18 Jahren stand er im Februar 1934 als Schutzbundmann an einer Murbrücke und kämpfte gegen den Ständestaat. Was ihm Kerker einbrachte. Einige Jahre später saß er wieder hinter Gittern – diesmal eingesperrt vom NS-Regime. Die Erzählung über die dramatischen Momente im Leben dieses Mannes stellen mehr dar als eine individuelle Biographie. Der Lebenslauf des Fritz Inkret zeigt exemplarisch auch die Bruchlinien und Verschiebungen, die jene Jahrzehnte der österreichischen Geschichte prägten.

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RECHTE GLATZEN. Rechtsextreme Orientierungs- und Szenezusammenhänge - Einstiegs-, Verbleibs und Ausstiegsprozesse von Skinheads von Kurt Möller und Nils Schumacher. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007 (41,10 Euro)

Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen in Parteien organisierten Neonazis, "unpolitischen" bis diffus-rechtsextremen Skinheads und (partei-)"freien" Nationalisten. Die Skinhead-Szene als solche genommen sitzt aber zwischen 2 oder mehreren Stühlen: In Österreich meist noch pauschal als Neonazis bezeichnet, hat sich in Deutschland eine Einteilung in 4 verschiedene Richtungen eingebürgert: Rechsextreme/Neonazistische, unpolitische, antirassistische und linke/linksradikale Skinheads werden unterschieden. Die deutschen Politologen Kurt Müller und Nils Schumacher haben nun erstmals in größerem wissenschaftlichen Rahmen die diversen Ein-, Aus-, Umstiegs wie Verbleibsprozesse innerhalb der Skinheadszene und dem "normalen" Leben untersucht.

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Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, Euro 18,50

Seit einiger Zeit macht sie wieder von sich reden: Die totalitäre Organisation Scientology, um die es einige Jahre eher ruhig geworden ist. Nun hat sie Europa den Krieg erklärt und rüstet mit der Errichtung neuer Zentren, Kampagnen zur Rekrutierung der wichtigen Zielgruppe Jugendliche, mit Attacken gegen PsychiaterInnen und KritikerInnen erneut auf. Nach wie vor lebt der Sciento-logy Geheimdienst, geht es um Geld, viel Geld, immer noch warnen StaatsschützerInnen und andere KritikerIn-nen vor der Organisation, die öffentlich auf Meinungs-freiheit und Demokratie setzt und dahinter ein totalitäres System aufbaut, das den Menschen entmündigt, seine Freiheit raubt und ihn intensiv kontrolliert. Scientology und Demokratie - so der Tenor der Kritik - passen nicht in das selbe Boot.

Caberta, Expertin in Sachen scientologischer Strategien, hat mit ihrem aktuellen Buch eine Lücke im deutschen Buchmarkt erfreulicherweise geschlossen. Anschaulich werden Geschichte, Aufbau und Vorgangsweisen der Scientology dargestellt, die ganz besonders Eltern, Päda-gogInnen, LehrerInnen, Jugend- und SozialarbeiterInnen zur Information zu empfehlen sind. Der Frage, wie Ju-gendliche vor den totalitären SeelenfängerInnen geschützt werden können, geht die Autorin nach, indem sie auf ihre langjährige Erfahrung mit der Psychogruppe zurückgreift.

Roman Schweidlenka

Ernst Piper, Kurze Geschichte des Nationalsozialismus,
Hoffmann und Campe 2007, 352 Seiten,
ISBN 978-3-455-50024-0, 18,50 Euro


Schriften über den Nationalsozialismus gibt es wahrlich schon in ganzen Bibliotheken. Doch kann man sagen, ein Buch, das sich das Ziel setzt, eine "kurze Geschichte des Nationalsozialismus" zu liefern, hatten wir in der vorliegenden Form bisher noch nicht. Keine Kurzversion, die Stichworte und Jahreszahlen für lernfaule Schüler liefert, es behandelt die meisten Gesichtspunkte und ist zudem flüssig erzählend - daher sehr gut lesbar - geschrieben, was bei Sachbüchern ja bekanntlich nicht unbedingt weit verbreitet ist. Kritisieren muss man, dass der antifaschistische Widerstand praktisch völlig ingnoriert wird.
Außerdem ist die Gestaltung zu bekritteln. Man hat auf Illustrationen zur Gänze verzichtet und das Buch in bloß fünf Kapitel untergliedert, nicht einmal Zwischentitel fanden Verwendung. Das verleitet dazu, es nach kurzer Durchsicht per Daumen wieder wegzulegen. Aber das verdient es sich nicht. Beim Lesen spricht das Buch über weite Strecken an.
Vielleicht schafft der Verlag eine vernünftig gegliederte zweiten Auflage, Zeiträume von 1919-1924, 1925-1933, 1933-1939, 1939-1945 mit jeweils über sechzig, siebzig, achtzig Seiten und einer Vielfalt von Ereignissen nur durch Absätze zu unterteilen, ist einfach unprofessioneller, leserabschreckender Murks. Aber lasst Euch davon nicht abschrecken! Es ist trotzdem ein gutes Buch!

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Wolfgang R. Kubizek,
… und alle Toten starben friedlich …
Oratorium in fünf Teilen für Soli, Chor und Orchester
Text: Vladimir Vertlib

Die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) vergab im Gedenkjahr 2005 einen Kompositionsauftrag an den Komponisten Wolfgang R. Kubizek. Die Uraufführung fand im Mai 2007 zur Erinnerung an die Übergabe des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen an die Republik Österreich "mit dem Wunsche..., dass es eine Stätte zum Gedenken an die im Kampfe um ein freies und demokratischen Österreich gefallenen Opfer werde" (Hans Maršalek) statt.

Stückinhalt und musikalische Umsetzung
Das Stück beschreibt den Weg einer jungen Frau (Eva Klampfer, Alt), die versucht mit der belastenden Geschichte des Massenmordes in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern umzugehen. Ausgehend von einem Traum, mit dem naiven Bild, es hätte keinen Krieg gegeben (1. Teil: Der Traum), tritt sie mit verschiedenen Personen in Dialog. Andrea Wögerer, Sopran, singt die Passantin (2. Teil: Die Stimmen) sowie die Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings (3. Teil: Die Tochter). Johann Leutgeb, Bariton, ist in der Rolle des Passanten (2. Teil: Die Stimmen) sowie des Sohnes eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen (4. Teil: Der Sohn). Die junge Frau erfährt verschiedene Versionen von Geschichte. Ihre Frage "Wo liegt der Weg, den ich beschreiten muss?" bleibt im Stück unbeantwortet, aber nicht hoffnungslos (5. Teil: Der Weg).
Orchester und Chor, unter der Leitung von Christoph Cech, setzten sich vorwiegend aus Studenten der Anton Bruckner Privatuniversität Linz zusammen.
Mit zeitgemäßer, stiloffener Sprache nimmt sich das ambitionierte Werk eines belastenden Themas an. Es beschreibt die Schwierigkeiten junger Menschen, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs auseinander zu setzen und greift die Irritationen auf, die aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen entstehen.

Der Live-Mitschnitt ist am 15. Oktober 2007 auf einer Doppel-CD erschienen, diese kann im Fachhandel oder direkt über http://www.undalletotenstarbenfriedlich.at zum Preis von 21 Euro (inkl. Versand) bezogen werden.

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Winfried R. Garscha / Franz Scharf - Justiz in Oberdonau
2007, 574 S.; 35 Euro - ISBN 978-3-900313-85-2
Grundlage des Gerichtsalltags, der von der gleichzeitigen Anwendung deutschen und österreichischen Rechtes geprägt war, bildete sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht die Ideologie der Volksgemeinschaft, die politische und "rassische" Gegner ausschloss. Vor diesem Hintergrund werden neunzig Fallbeispiele aus dem Bereich der Strafjustiz vorgestellt - in erster Linie Vermögensdelikte, Verstöße gegen kriegswirtschaftliche Regulierungsbestimmungen und die Arbeitsdisziplin, aber auch Fälle des verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen. Dabei werden die dem Gau Oberdonau angeschlossenen südböhmischen Gerichtsbezirke berücksichtigt.
Auch grundsätzliche Aspekte nationalsozialistischer Justiz werden behandelt. So wird etwa gezeigt, wie die Konstruktion von Tätertypen wie dem "Volksschädling" oder dem "jugendlichen Schwerverbrecher" aus Bagatelldelikten todeswürdige Verbrechen machte.

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Florian Freund / Bertrand Perz - Konzentrationslager in Oberösterreich 1938-1945
2007, 244 S.; 25 Euro - ISBN 978-3-900313-86-9
Von allen österreichischen Bundesländern war Oberösterreich am engsten mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslagersystem verbunden. Im Reichsgau Oberdonau entstanden die größten Lager auf österreichischem Gebiet - Mauthausen und unweit davon Gusen -, die bis Kriegsende vor allem als Tötungslager fungierten. Einschließlich Linz III, Ebensee und Gunskirchen befanden sich fünf der sechs Lager mit mehr als 5000 Häftlingen in Oberdonau. Ab 1941 wurden hier insgesamt 15 Außenlager des KZ Mauthausen errichtet.
Die vorliegende Studie gibt nicht nur einen Überblick über die Geschichte der KZs Mauthausen und Gusen, sondern stellt auch des weiteren auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich gelegenen Außenlager dar: Lager für Zwecke der SS, Lager für staatsnahe Grundstoff- und Rüstungsfirmen, Lager für den Kraftwerksbau an der Enns, Lager für unterirdische Rüstungsindustrien oder zum Bau von Luftschutzstollen, schließlich auch Lager für die Richtung Westen getriebenen ungarisch-jüdischen ZwangsarbeiterInnen.

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Heribert Schiedel - Der Rechte Rand - Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft - Edition Steinbauer 2007, Broschur, 200 Seiten, ISBN: 978-3-902494-25-2 - Preis: € 22,50

Wenn Plakate mit "Daham statt Islam" werben, Kriegsspiele als "Jugendtorheiten" verharmlost und im Nachbarland "Ausländer" durch die Stadt gehetzt und misshandelt werden, spätestens dann sollte man sich die Frage stellen: Wer sind diese Leute und wie leben sie? Heribert Schiedel beobachtet die Szene seit fast 20 Jahren und legt nun eine umfassende Bestandsaufnahme des heimischen Rechtsextremismus vor. Sein Buch führt in die Begriffsbestimmungen und Erklärungsansätze aus politologischer Sicht ein. Es zeigt die Ursachen für Rassismus, Antisemitismus und Autoritarismus. Dabei macht der Autor die wechselnden Stichworte und Inhalte extremistischer Gesinnungen auch aus historischer Perspektive deutlich. Ob von der "Herrschaft der Ostküste" oder der "internationalen Hochfinanz" die Rede ist, immer steckt dahinter der Hass auf "den Juden" und die vermeintliche Überlegenheit der eigenen "Kultur". Schiedels Einblicke in die gewaltbereite Neonaziszene Österreichs zeigen auch erschreckende Details und erstaunliche Querverbindungen. Man trifft sich bei "Sonnwendfeiern", "Kultstättenwanderungen" und "ario-germanischen Ballspielen", träumt von "bewaffneten Männern", die den "Feinden entgegentreten, um zum vernichtenden blutigen Schlag auszuholen". Trotz allem bescheinigt Schiedel der österreichischen Situation eine relative Harmlosigkeit und nennt die Gründe dafür: "Die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu konstatierende Schwäche des gewalttätigen Rechtsextremismus steht in Zusammenhang mit der Stärke des parteiförmigen: Der österreichische Rechtsextremismus hat seit über 50 Jahren eine Vertretung im Parlament und in Länderregierungen. Daneben ist er über Veteranen-, Turner und Studentenverbände fest in den Alltag integriert". In der Folge erscheinen Antisemitismus, Rassismus und Autoritarismus heute nicht als Skandal, sondern als normal.
Dieses Buch richtet sich gegen den Hass, der den Extremismus motiviert, sucht nach den Hintergründen und bietet Erklärungsansätze dazu. Und es diskutiert Strategien, die extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft immer weniger plausibel und schließlich ganz überflüssig machen könnten.

Zum Autor: Heribert Schiedel, geboren 1967, Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Abteilung Rechtsextremismusforschung; Berichterstatter für das Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Anti-Semitism and Racism an der Universität Tel Aviv; Mitglied der Redaktion von Context XXI.

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Christian Felber - 50 Vorschläge für eine gerechtere Welt - Gegen Konzernmacht und  Kapitalismus - Deuticke, Wien 2006 336 S., Klappbroschur - ISBN: 3-552-06040-5 € 20,50
Der globalisierungskritischen Bewegung wird gerne vorgeworfen, sie würde nur Probleme  aufzeigen, aber keine Lösungen anbieten. Christian Felber, Mitbegründer von Attac  Österreich, entkräftet diesen Vorwurf eindrucksvoll. Pointiert und überzeugend präsentiert er  50 konkrete Alternativen zur gegenwärtigen Form der Globalisierung und zur Ökonomisierung  unseres Lebens. Die Lösungsansätze reichen von der Neugestaltung der Finanzmärkte und  des Welthandels über verbindliche Regeln für Konzerne und Standortkooperation bis hin zu  sozialer Sicherheit und globaler Steuergerechtigkeit. Das Buch ist ein leidenschaftliches  Plädoyer dafür, die Gestaltung der Zukunft in die eigene Hand zu nehmen und die Spielregeln  für die Wirtschaft neu zu schreiben.

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IRMAS ZEIT
Ein Film von Alenka Maly und Roland Freinschlag, DVD 16:9 Stereo, Laufzeit 33 Minuten, Preis: 15 Euro

Irma Trksak wurde 1917 in Wien geboren. Sie wurde wegen Widerstandes in einer Gruppe Wiener TschechoslowakInnen 1941 von der Gestapo verhaftet und in der Folge ins Frauen KZ Ravensbrück deportiert.
Seit Jahrzehnten ist sie als Sekretärin der Lagergemeinschaft Ravensbrück und als Zeitzeugin unterwegs, um ihre politische Lebenserfahrung an die nächsten Generationen weiterzugeben.
Der Film begleitet sie auf einer Reise durch Oberösterreich, dokumentiert die ständige, unermüdliche Wiedererinnerung quälender, fast unsagbarer Schrecken im Dienste der Aufklärung. Zwischen Klassen- und Hotelzimmern eröffnet Irma Trksak Türen zur Einsicht in die NS-Vergangenheit, führt die ZuhörerInnen ins Siemenslager und ins Vernichtungslager Uckermark.
Es ist Irmas ins Bild genommene Energie und Nachdrücklichkeit, die zum Inbegriff von lebenslangem politischem Widerstand wird.
REGIE Alenka Maly - KAMERA Roland Freinschlag
Zu bestellen bei: FIFTITU % - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur,
Kapuzinerstraße 36/1 - A-4020 Linz - Tel.: 0732-770353 - fiftitu@servus.at

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Oberösterreichisches Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus