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Bernhard Schmid: Distanzieren, leugnen, drohen; Die europäische extreme Rechte nach Oslo, edition assemblage, 2011, 12,80 Euro
Die extreme Rechte ist in ganz Europa in Bewegung. Die Verunsicherung durch Sparpakete und Finanzspekulationen, die schwer zu durchschauen sind, treibt viele Menschen zu den populistischen Parteien, die einfache Lösungen und Parolen für komplexe Probleme anbieten. Der grausame Massenmord, den der rechtsextreme Anders Behring Breivik im Juli 2011 in der Nähe von Oslo verübte, machte deutlich, dass inzwischen verschiedene weltanschauliche Richtungen den modernen Faschismus prägen. Der Autor folgt den ideologischen Spuren und Impulsgebern des jungen Mörders und zeigt ein breit gefächertes Bild der europäischen Rechten. Zwei Hauptlinien fallen auf: Der "alte" Rechtsextremismus folgt den Spuren der NSDAP, setzt auf Antisemitismus und Romahetze und dominiert in Ungarn, aber auch die deutsche NPD. Eine neue Form des Faschismus konzentriert sich auf den Hauptfeind Islam. In diesem Zusammenhang verblassen vordergründig alte Feindbilder, Juden werden zu neuen Bündnispartnern gegen "die Araber" und tatsächlich erfolgten Schulterschlüsse zwischen israelischen Rechtsextremen und ihren Gesinnungsgenossen in Europa. Auch ein offensichtlich verwirrter Teil der Linken nähert sich den neuen rechtsextremen Konzepten, die als "antiimperialistischer Kampf" missverstanden werden, an. Die Transformation der Rechten geht so weit, dass sie in Frankreich plötzlich auf die Republik - vormals verhasstes Feindbild - schwört, die in ihrer Sichtweise durch muslimische totalitäre Denkweisen untergraben wird.
Der kurze Band konzentriert sich auf die Essenz der aktuellen Entwicklung und bietet eine grundlegende Information zum Wandel rechtsextremer Parteien und Ideologien.
Roman Schweidlenka

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Tino Markworth : Bob Dylan. Monographie, Rowohlt Taschenbuchverlag, 2011, 8,99 Euro
Bob Dylan - Kultmusiker der 68er Generation, kreativer Erneuerer moderner Musik, Poet in der Tradition der Beat Generation, bis heute bekannt und beliebt. Ein kommerzieller Erfolg der Superlative. Der vorliegende Band folgt den Spuren des in einer jüdischen Familie aufgewachsenen Robert Allen Zimmerman, blendet seine Jugend ein, zeigt seine Rolle als politischer Protestsänger, der gegen die Enge seiner Herkunft rebellierte, später die des dem Alkohol und verschiedenen Drogen zugewandten eigenwilligen Propheten eines alle Tabus brechenden Hippietums, der in der gegenkulturellen Künstlerszene der siebziger Jahre ein- und ausging, wobei seine diesbezüglichen Kontakte und Aktivitäten nur eher oberflächliche Erwähnung finden. Der Autor würdigt Dylan, scheut aber vor Kritik nicht zurück. So wird auch ein egozentrischer, später dem Mammon und Ruhm verfallener Künstler gezeigt, der seinen Weg fern der ursprünglichen Ideale ging. Bewegend die gescheiterte Ehe des Musikers, die er offensichtlich nie wirklich bewältigte und deren Ende ihn in die Arme der christlich-fundamentalistischen, den Teufel beschwörenden Vineyard-Gemeinde trieb. Sein daran anschließender Kampf gegen den Leibhaftigen, der den Einsatz gegen soziale Missstände ersetzte, führte zu vielen mehr als peinlichen Episoden und Aussagen des Künstlers. Von seinen Kontakten mit dem antifaschistischen und politisch gegen den militärisch-industriellen Komplex und die Umweltzerstörung aktiven Western Shoshone-Medizinmann Rolling Thunder ("Rolling Thunder Tournee"), die er mit der wichtigsten (neben Jefferson Airplane) Hippieband The Grateful Dead teilte, war nichts mehr zu spüren.
Für mich folgte Dylan dem bekannten, typischen Muster: Eine tiefgreifende seelische Krise treibt in die Arme von oft suspekten Gruppen, die Heilung und Erlösung versprechen, in Wirklichkeit jedoch mit einer engen, fanatischen Ideologie die Menschen binden, unfrei machen und von ihrem ursprünglichen, selbstbestimmten Weg ablenken. Dylan wurde in seiner Kindheit durch die Bibel geprägt, sein Weg zum fundamentalistischen Christentum erscheint verständlich. Später vermengte er jüdische und christliche Glaubenssätze und Weltdeutungen. Dann erfolgte eine teilweise Loslösung von der fundamentalistischen, missionarischen Phase, er fand wieder zu anderen Interessen und Aufgaben. Auch hier ein oft zu beobachtender Prozess: Nach Jahren engstirnig-fanatischer Gruppenzugehörigkeit können sich ca. 50% der in so genannten Sekten oder fundamentalistischen religiösen Gruppen beheimateten Menschen aus der engen Umklammerung (teilweise) lösen und wieder mehr Freiheit und Emanzipation in ihr Leben integrieren.
Dylan wäre nicht Dylan, hätte er sich nicht auch in dieser Phase seine provokante Ablehnung des Establishments bewahrt. Heute dürfen Dylan-Fans aufatmen. Gereift und geläutert widmet sich das Idol der verflossenen Jugendbewegung der Neuentdeckung und Neuinterpretation ihrem Wesen nach eher unkonventioneller amerikanischer Musik: Blues, Folk und American Roots Music. Ein Werkverzeichnis rundet diese informative Biographie ab.
Roman Schweidlenka

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Peter Gstettner - Erinnern an das Vergessen - Kitab-Verlag 2011, ISBN 978-3-902585-35-6- 262 Seiten, 18,50 Euro
Der Autor reflektiert seine Erfahrungen zur Rekonstruktion der NS-Geschichte in Österreich. Alle Arbeiten zur Aufhellung der dunklen Seite dieser Geschichte münden in dem Versuch, das kollektive Schweigen zu brechen und das Lied von der "guten alten Zeit" neu zu intonieren. Gedenkstättenpädagogik und Bildungspolitik haben die Gegenwartsbedeutung der Vergangenheit heraus zu arbeiten, die NS-Geschichte vor Ort freizulegen und den Blick jenseits der Schweigemauer in die Zukunft zu richten. Der Autor entdeckt Zeugnisse einer Vergangenheit, in Mauthausen und seinen Nebenlagern, in Lebensgeschichten und Hinterlassenschaften von NS-Opfern, in den Institutionen und Seilschaften der Tätergesellschaft, in Geschichten von Widerstand und Solidarität.
Erschütternde Funde beim Graben nach der NS-Geschichte in Kärnten lassen Umrisse der fragwürdigen Kultur- und Sittengeschichte der Nachkriegsgesellschaft sichtbar werden. Dennoch stimmen die Erfolge der Projekte optimistisch: Die Erfahrung zeigt, um die NS-Vergangenheit an belasteten Orten zu erforschen, sind konkrete Erinnerungsarbeit und persönliche Schmerzerfahrungen Schritte auf dem Weg, verschüttetes Gedächtnis, verwischte Spuren und vergessene Orte wieder für eine Erziehung zur Demokratie und Toleranz fruchtbar zu machen.
Peter Gstettner, geb. 1945; Dr. phil., Studium der Psychologie und Erziehungswissenschaften in Innsbruck; Habilitation in Marburg, 1981-2004 Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Klagenfurt. 1994 Gründung des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška und des Vereins "Memorial Kärnten Koroška.

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Auf Wiedersehen über den Sternen! Na svidenje nad zvezdami. Briefe aus Widerstand und Verfolgung unter dem NS-Regime in Kärnten - Hrsg. von Wilhelm Baum. Unter Mitarbeit von Hans Haider, Vincenz Jobst und Gerti Malle - Kitab-Verlag 2011 - ISBN 978-3-902585-83-7 - 304 Seiten, 19,80 Euro
In Kärnten wurden vor dem Volksgerichtshof des NS-Staates unter dem berüchtigten Vorsitzenden Dr. Roland Freisler 31 WiderstandskämpferInnen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Von etlichen von Ihnen sind Abschiedsbriefe vor der Hinrichtung oder andere Briefe an Verwandte erhalten, die die letzten Gedanken dieser Menschen in der schwersten Stunde ihres Lebens wiedergeben. Manche zeigen die Frömmigkeit der slowenischen Bauern und Holzfäller, die Fürsorge für ihre Familien, die Solidarität im Kampf für die Gerechtigkeit oder auch letzte Anordnungen über ihr Erbe oder auch die Solidarität der Sozialisten und Kommunisten oder Zeugen Jehovas; leider sind auch zahlreiche Briefe verlorengegangen; einige Opfer ohne nähere Verwandte haben möglicherweise keine Briefe geschrieben.
Widerstandskämpfer, denen man nichts nachweisen konnte, kamen häufig in "Schutzhaft" und ins KZ, wo sie ohne jeden Prozess zugrunde gingen oder umgebracht wurden. Die Zensur erlaubte ihnen keine offenen Worte; manchmal enthalten die Briefe der Todeskandidaten auch entsprechende Andeutungen oder ließen die Vision einer gerechten Gesellschaftsordnung.
Es handelt sich um berührende und erschütternde Dokumente, die jeweils eine biografische Notiz und - soweit vorhanden - ein Bild des Opfers zeigen.

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HR Dr. Hans Maršálek - Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, Dokumentation - ISBN 978-3-902605-06-1, Edition Mauthausen, 4. Auflage 2006, 448 Seiten, Euro 19,90
Das KZ Mauthausen war eines der meist gefürchteten Konzentrationslager im Dritten  Reich. Ungefähr 200.000 Menschen aus allen Staaten Europas wurden nach Mauthausen oder in eines seiner 49 Nebenlager deportiert - rund 100.000 erlebten die Befreiung  am  5.  Mai  1945 nicht.  Sie  wurden  im  Steinbruch  ermordet,  in  der  Gaskammer  vergiftet oder fielen den katastrophalen Bedingungen des Lagers zum Opfer. Das KZ  Mauthausen war ein riesiges, weit verzweigtes System von Firmen und Nebenlagern,  von Tätern und Profiteuren. Dieses Buch ist seit mehr als 30 Jahren das unbestrittene  Standardwerk zur Geschichte des KZ Mauthausen und nach wie vor die einzige Publikation  mit  einer  gesamthistorischen  Zusammenstellung.  Ohne  diese  Dokumentation  von Hans Maršálek wären alle weiteren wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema  völlig undenkbar. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer: "Die Opfer von Mauthausen, die Gequälten und Ermordeten, mahnen uns." Hans Maršálek (1914-2011) war wegen Widerstandstätigkeit ab Herbst 1942 bis zur Befreiung  im  Mai  1945  im  KZ  Mauthausen  interniert.  Nach  dem  Krieg  baute  er  das  Mauthausen-Archiv und das Museum an der KZ-Gedenkstätte auf und war auch jahrelang Leiter der Gedenkstätte. Hans Maršálek ist Autor zahlreicher Publikationen und bis heute aktiv in der Aufklärungsarbeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten.

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Peter Kammerstätter. Biographie eines Widerstandskämpfers, Broschüre, 56 Seiten
Anläßlich des 100. Geburtstags von Prof Kammerstätter erschien das dritte Heft der KZ-Verband Reihe "Texte und Materialien zu Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich" zu Prof. Peter Kammerstätter, Widerstandskämpfer, Forscher und Volksbildner. Die Broschüre im Umfang von 56 Seiten enthält neben einem Überblick zu Leben und Werk (Günther Grabner) persönliche Erinnerungen und Würdigungen von Günther Grabner, Hubert Hummer, Erna Putz und Wolfgang Quatember sowie erstmal einen kleinen Auszug aus Lisa Kammerstätters Erinnerungen „Vor den Toten hatte ich keine Angst, aber vor den Lebenden“. Die Publikation kann um EURO 4,- zzgl. Versandkosten unter office@kzverband-ooe.at bestellt werden.

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Heribert Schiedel - Extreme Rechte in Europa -  Edition Steinbauer, 23,5 x 16,5 cm, 120 Seiten, Euro 22,50
Über den Kontinent hallt der antijüdische und antimuslimische Kampfruf Abendland in Christenhand!. Doch die stets von Dekadenz und Verderben raunenden Retter des Abendlandes - schon 1933 von Karl Kraus als Untergangster entlarvt - wollen nicht mehr rechtsextrem sein, sondern als Verteidiger von Demokratie und Liberalität gelten. Das Christentum interessiert sie dabei nicht als ethisches System, sondern als homogene und hermetisch abgeschlossene Kultur. Die Feindbilder werden nachjustiert, der alte Rassismus und der noch ältere Antisemitismus modernisiert. Gegen den gemeinsamen Feind rücken rechte Gruppen und Parteien zusammen, die nationalen Gegensätze geraten dabei in den Hintergrund und es droht zumindest in Westeuropa ein geeinter rechter Machtblock. Der Autor zeigt, wie sich im Westen Europas vor allem mit der Hetze gegen Muslime Wahlen gewinnen lassen, während der Rechtsextremismus in Osteuropa nach wie vor auf Zigeuner und Juden zielt. Seine Studie belegt, dass dieser Extremismus hier wie dort im unmittelbaren Wortsinn brandgefährlich ist, da Gewalt gegen Schwache und Fremde überall in Europa rasant zunehmen.

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Karl Littner - LIFE HANGING ON A SPIDER WEB - From Auschwitz-Zasole to Gusen II - Books on Demand - 454 Seiten, 83 Abbildungen, Paperback, EUR 32,50 - ISBN: 978-3-8423-9840-5
With his very personal memoirs, Karl Littner - a Jewish boy from Auschwitz-Zasole - gives insight into Jewish life and anti-Semitism in his hometown Oswiecim - Oshpitzin - Auschwitz, Poland before the Second World War.Along with his odyssey, he gives details about some not so well known German forced labor camps like ZAL Raupenau-Kotzenau, Hermannsdorf, Gross Masselwitz, or Grünberg which he passed through in the years 1941 to 1943 via Transfer Camp Sosnowitz (Sosnowiec).He offers his very personal experiences about the difficult life and the systematic terror of the SS and its helpers against Jewish families in Ghetto Sosnowitz/Srodula before he managed to survive Concentration Camp Auschwitz-Birkenau and Gross-Rosen-Fünfteichen by being sent to Concentration Camp Mauthausen-Gusen II, where he was near his end in the huge underground aircraft plant "Bergkristall"at St. Georgen/Gusen.Although his new life began with the liberation from Nazi terror in Concentration Camp Gusen II, Karl Littner describes also the difficult way back into ordinary life. His path to success led him with his German wife Miriam via Straubing and Tel Aviv to Chicago and finally Los Angeles.

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400 JAHRE MARKT ST. GEORGEN AN DER GUSEN Marktgemeinde St. Georgen/Gusen, St. Georgen/Gusen, 201,1272 Seiten, umfassend illustriert, Hard Cover, EUR 19,- Das Buch ist ausschließlich  bei der Gemeinde St.Georgen erhältlich: Mail: gemeinde@st-georgen-gusen.ooe.gv.at
Im neuen Geschichtebuch der Marktgemeinde St. Georgen an der Gusen wurde auf 46 Seiten ein großes, von Rudolf A. Haunschmied vom Gedenkdienstkomitee Gusen (www.gusen.org) gestaltetes Kapitel der in Österreich noch immer kaum bekannten Geschichte der Konzentrationslager von Gusen gewidmet, das neben bis dato unveröffentlichten Photographien und Plänen auch den neuesten Forschungsstand zu diesem Lagerteil des ehemaligen KZ-Doppellagers Mauthausen-Gusen mit seinen wichtigen Infrastrukturelementein in St. Georgen/Gusen enthält. Diese Publikation unterstreicht einmal mehr, das klare Bekenntnis der Marktgemeinde St. Georgen/Gusen zu diesem dunkelsten Kapitel der regionalen Geschichte. Obwohl das Kapitel "NS-Geschichte" primär als weitere Grundinformation für die örtliche Bevölkerung gedacht ist, ist der Abschnitt vor allem auch für all jene von Bedeutung, die sich für die Geschichte des Konzentrationslagerkomplexes Mauthausen-Gusen und die dazugehörigen Nebenlager interessieren. So enthält dieser Teil des Geschichtebuches z.B. erstmals auch einen Plan des 1942/1943 für diesen KZ-Konplex geplanten SS- Donauhafens oder hochaufgelöste Luftaufnahmen des Konzentrationslagers Gusen II, die sogar noch hunderte KZ-Häftlinge in dieser "Hölle aller Höllen" erkennen lassen. Eine aktuelle 3D-Graphik gibt auch einen Eindruck vom Ausmaß der ehemaligen unterirdischen Flugzeugfabrik "Bergkristall" in St. Georgen, welche durch Häftlinge des Konzentrationslagers Gusen II errichtet und betrieben werden musste, und die in den verbleibenden Teilen bald als wichtiges Element einer regional angedachten Erinnerungslandschaft "St. Georgen-Gusen-Mauthausen" zugänglich gemacht werden soll. Das neue Geschichtebuch vermittelt in den begleitenden Kapiteln aber auch einen Eindruck von dieser Region aus der Zeit vor und nach der Schaffung dieses umfangreichen Konzentrationslagerkomplexes, dessen Reste heute eine in Europa einzigartige Situation darstellen.

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Der bekannte Linzer Journalist, Schriftsteller, Widerstandskämpfer und Kommunist Karl Wiesinger (1923-1991), hatte neben seinem berühmten "Bauernroman Weilling Land und Leute" (der unter dem Pseudonym "Max Maetz" erschienen war) vor allem Romane zum zeitgeschichtlichen Geschehen geschrieben, drei davon wurden nun neu aufgelegt:

Karl Wiesinger - Standrecht - Promedia Verlag Wien, 205 Seiten, Euro 19.90
Im Mittelpunkt von Karl Wiesingers Roman über die für Österreich so entscheidenden Ereignisse des Februar 1934 steht der arbeitslose Bierbrauer Martin Lechner. Bei einem Arbeiterfest im steirischen St. Lorenzen erlebt dieser die Brutalität der christlich-sozialen Heimwehr mit eigenen Augen, als diese unbewaffnete Festzugsteilnehmer kaltblütig erschießt. Er schließt sich dem Republikanischen Schutzbund an und gerät so an die Front des Bürgerkriegs in den Wiener Gemeindebauten. Dabei bemerkt Martin, wie wankelmütig sich die sozialdemokratische Partei in diesen Tagen verhält. Während die Führung den Aufstand abblasen will, kämpfen die Genossen des Schutzbunds in den Arbeitersiedlungen weiter, obwohl sie kaum Aussicht auf Erfolg haben. Das bringt Martin zu der Überzeugung, sich der KPÖ anzuschließen und so den Kampf in der Illegalität fortzusetzen.

Karl Wiesinger - Achtunddreißig, Promedia Verlag Wien, 396 Seiten, 29,90 Euro
Das Buch "Achtunddreißig" ist ein Episodenroman, der aus verschiedensten Blickwinkeln das Verhalten der österreichischen Bevölkerung am Vorabend des Einmarschs deutscher Truppen wiedergibt. Als verbindendes Element zwischen den einzelnen Szenen dient das Tagebuch des jüdischen Schneiders Isaak Schneidewind aus Linz, der erst langsam zu verstehen beginnt, wie schnell sich die Lebensumstände in wenigen Monaten ändern können. Seiner Zögerlichkeit steht jene Entschlossenheit gegenüber, mit denen die Nazis Österreich von innen und außen bedrohen. Wiesinger schildert ihren zunehmenden Terror und die Verhandlungen Hitlers mit Schuschnigg, die schließlich Österreichs Ende besiegeln sollten. Als Schneidewind erfasst hat, welche Gefahr ihm bevorsteht, ist es längst zu spät.

Karl Wiesinger - Der rosarote Straßenterror, Promedia Verlag, 192 Seiten, 19,90 Euro
In der offiziellen Geschichtsschreibung gilt der "Oktoberstreik" von 1950 noch immer als "kommunistischer Putsch". Dazu trug maßgeblich der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, Franz Olah, bei, der seine Schlägertrupps auf die streikenden Arbeiter losließ. Olah war, trotz seiner Verbindung zur CIA und späteren strafrechtlichen Verurteilung wegen illegaler Verwendung von Gewerkschaftsgeldern, für den politisch und medial herrschenden Mainstream die entscheidende Figur der Arbeiterbewegung: 1950 als Garant zur Eindämmung der "kommunistischen Gefahr". und später als wichtiger Zeitzeuge. Obwohl die Sowjetunion dem Streik abwartend gegenüberstand und die KPÖ von den Ereignissen überrollt wurde, hält sich hartnäckig jenes Geschichtsbild, nachdem die unzufriedenen Arbeiter von damals "im Auftrag der Kommunisten" gehandelt hätten. Und so konnte auch das brutale Vorgehen der Gewerkschafter gegen ihre eigenen Kollegen im nachhinein gerechtfertigt werden.
Als Karl Wiesingers Roman über den Oktoberstreik 24 Jahre nach den Ereignissen in einem westdeutschen Verlag erschien, ließ Olah die Auslieferung in Österreich gerichtlich stoppen. Wiesinger zeichnete ein völlig anderes Bild der Auseinandersetzung, einen Streik, der von unten in den Betrieben entstand und sich gegen die Auswirkungen des Lohn-Preis-Abkommens mit ihren Reallohnverlusten richtete. "Der rosarote Straßenterror" setzt einer kämpferischen Arbeiterbewegung ein Denkmal, die durch falsche Entscheidungen der Streikenden, aber auch durch die brutalen Übergriffe der Olahschen Schlägertruppen letztlich ihre Niederlage erklären musste.

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Ursula Caberta - Schwarzbuch Esoterik, Gütersloher Verlagshaus 2011, 189 Seiten, 18,50 Euro
Die späten achtziger und die neunziger Jahren waren die große Zeit der „Sekten“- und Esoterikkritik. Sodann ist es ruhiger um das Thema geworden. Einerseits schien der Buchmarkt vorerst gesättigt, andererseits etablierte sich die Esoterik in einem Ausmaß in der Gesellschaft, das alle Kritiker als Ewiggestrige erscheinen ließ. Nur: Die Problemfelder, die mit der Aufnahme moderner Esoterik verknüpft sind, blieben bestehen. Daher ist es erfreulich, wenn wieder ein umfassendes, gut lesbares kritisches Buch zur Esoterik erscheint. Die Autorin geht auf die Wurzeln des Esoterikbooms und seine Gründe ein und arbeitet aus heutiger Sicht Prozesse und Trends auf, die vor Jahren noch Schlagzeilen lieferten. Zu einer gelungenen Zusammenfassung vielleicht bekannter Fakten gesellen sich neue Entwicklungen, neue Namen, neue Schatten, die sich hinter so manchen Versprechungen von Licht und Liebe verbergen. Caberta geht auch auf den gewandelten Sektenbegriff ein, nimmt einen problematischen Heilermarkt unter die Lupe und verschweigt auch fanatische, an magische Weltbilder appellierende Strömungen im Christentum nicht. Interessant auch ihre Ausführungen zur Theorie und Praxis der esoterischen Kindererziehung und der damit verbundenen Problematik des Lebens in Parallelwelten. Die große Sorge der Autorin: So manche Strömungen der Esoterik fördern autoritäre Geisteshaltungen und bedrohen so – zumindest indirekt – die Demokratie. Tatsächlich fördern gerade esoterisch verbrämte Weltverschwörungstheorien einen politischen Irrationalismus. Fazit: Das Buch bietet einen verständlichen Überblick moderner esoterischer Strömungen und ihrer Schattenseiten. - Roman Schweidlenka

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Andrea Röpke, Andreas Speit Mädelsache!: Frauen in der Neonazi-Szene, Ch. Links, Berlin, 237 Seiten, 16,90 Euro
Seit einigen Jahren treten Frauen in Deutschlands männerdominierten Neonazi-Szene selbstbewusster auf. Sie kandidieren für die NPD, organisieren Demonstrationen und kümmern sich um die "richtige" Erziehung des Nachwuchses. Vor allem aber sind sie bestrebt, rechtsextreme Inhalte unter dem Deckmantel von Themen wie Naturheilkunde, Umweltschutz, Kindergeld und Arbeitslosenhilfe zu verbreiten - besonders auf Nachbarschafts-, Vereins- und Gemeindeebene.
Gestützt auf Insider-Informationen geben die beiden Rechtsextremismus-Fachleute Andrea Röpke und Andreas Speit in ihrem neuen Buch "Mädelsache!" einen spannenden und sehr konkreten Einblick in das Leben des weiblichen Teils der braunen Szene. Sie schildern, wie völkische "Sippen" lokale Strukturen gezielt unterwandern, und sie zeigen wirksame Gegenstrategien auf. Einziger Nachteil des informativen Buches: Es bezieht sich ausschließlich auf deutsche Verhältnisse.

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Arno Lustiger - Rettungswiderstand. Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit" Wallstein Verlag, Göttingen, 464 Seiten, 29,90 Euro
Wenn ein Freier angekündigt war, musste Hedwig Porschütz ihre heimlichen Mitbewohnerinnen aus der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung in der Berliner Alexanderstraße hinausschicken. Vom Geld, das sie als Prostituierte verdiente, kaufte sie auf dem Schwarzmarkt Essen für ihre Schützlinge. Es handelte sich um verfolgte Jüdinnen. Im Juni 1944 flog das Versteck auf, Porschütz kam in ein Arbeitslager. Sie überlebte, doch die Demütigungen waren damit nicht zu Ende. Nach dem Krieg verwehrte ihr der Berliner Senat eine Ehrung als Lebensretterin - wegen ihrer "unzüchtigen Vergangenheit". 1977 starb Porschütz in Armut. Erst seit kurzem erinnert eine Gedenktafel an sie.
In Italien pendelte der Radrennfahrer Gino Bartali, Sieger des Giro d'Italia und der Tour de France, als Kurier zwischen verschiedenen Gruppen von JudenretterInnen hin und her. Als Vorwand diente ihm sein Trainingspensum.
Auf der griechischen Insel Zakynthos überlebte die gesamte jüdische Gemeinde, weil sich der Bürgermeister weigerte, für die deutschen Besatzer eine Liste mit den Namen der Verfolgten zu erstellen. Statt dessen setzte er auf die Liste seinen eigenen Namen und den des orthodoxen Erzbischofs, der ebenfalls gegen die nationalsozialistische "Judenpolitik" protestierte.
Drei Beispiele von mehr als 200 aus über 30 Ländern, die der Historiker und Holocaust-Überlebende Arno Lustiger (87) in seinem "Rettungswiderstand" schildert. Zu JudenretterInnen wurden einfache Leute ebenso wie Professoren, Bauern wie Diplomaten, Nonnen wie Industrielle. Viele gaben später an, sie hätten doch nur das Selbstverständliche getan. Oft hatten sie mit ihren Rettungsaktionen Erfolg. Nach dem Krieg wurden sie nicht selten angefeindet - und zwar nicht nur in Deutschland und Österreich, den Täterländern, sondern auch in neutralen oder von Hitler-Deutschland überfallenen Staaten. Die große Mehrheit der Opportunisten, Wegschauer, Mitläufer und Kollaborateure wollte keinesfalls akzeptieren, dass es auch andere Möglichkeiten des Handeln gegeben hatte. "Verschmähte Helden" nennt deshalb das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die JudenretterInnen. In den letzten zwei Jahrzehnten werden diese mutigen Menschen aber mehr und mehr gewürdigt. Das Buch ist jedenfalls äußerst empfehlenswert!

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Wilhelm Toth - Alfred Ströer. Eine Biografie - Vom Volksgerichtshof in die Gewerkschaftsspitze, 2004, 308 Seiten Euro 28,-
Anlässlich des Todes von Alfred Ströer am 20.8.2011:
Alfred Ströer, aufgewachsen im "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit, entstammte einer typischen Arbeiterfamilie. Seine Eltern waren arm, er war froh, als Jugendlicher eine Arbeit als Metallarbeiter gefunden zu haben. Schon frühzeitig engagierte er sich in der Gewerkschaftsbewegung. Vorerst legal, nach dem Verbot der freien Gewerkschaften durch das austrofaschistische Regime illegal.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geriet der junge Alfred Ströer zunehmend ins Visier der Gestapo. Er schloss sich - so wie viele enttäuschte Sozialdemokraten - den Kommunisten an, verteilte Flugblätter und wurde im Februar 1939 verhaftet. Seinen 19. Geburtstag verbrachte er im Landesgericht. Im März 1940 wurde er wegen Hochverrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Nach seiner Entlassung fand er Arbeit in einer Rüstungsfabrik, wo er - mit anderen Widerstandskämpfern - Sabotageakte versuchte. 1942 wurde der ehemals "Wehrunwürdige" in eine entsprechende Strafkompanie einberufen ("Die 999-er"). Nach Zwischenstationen in Deutschland und in Griechenland landete er letztlich auf der Insel Rhodos.
Nach dem Krieg fasste er bald Fuß im neu gegründeten Österreichischen Gewerkschaftsbund. Er arbeitete sich vom Jugendsekretär des ÖGB bis zum engsten Mitarbeiter des damaligen Gewerkschaftspräsidenten Franz Olah hoch. Den "Fall Olah" überstand er unbeschadet, wurde von Anton Benya übernommen, wurde Finanzreferent, Nationalratsabgeordneter und Generaldirektor der BAWAG.
Ströer ist als Zeitzeuge unermüdlich im Kampf gegen den Faschismus tätig, u.a. ist er Vizepräsident des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Vizepräsident des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung und Vorsitzender des Bundes sozialdemokratischer Freiheitskämpfer.

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Grimoald Karrer - Da denkst du dir nichts, und dann liest du Gedichte - freya-Verlag 2011, 94 Seiten, ISBN 978 - 3 - 99025 - 033 - 4 - Preis: 14,90 Euro
Zu seiner profanen Lebenswelt - als Inhaber einer Elektrofirma in St. Florian bei Linz -hat sich der 70jährige Karrer idealere Parallelwelten aufgebaut. Vorerst passiv, als Sammler von bildender Kunst. Seit rund 30 Jahren auch aktiv, als ambitionierter Lyriker. Die Grenzen seiner dichterischen Welt sind weit gespannt. Von heiteren, spielerischen Wortgeplänkeln wie "Blauschwarz", eine Hommage an seine Lieblingssocken, bis zu den Betroffenheit und Verstörung auslösenden Gedichten wie "Es war ja Krieg" und "Juden".
In mitunter surrealen Gedankenspielen gewinnt er Alltäglichem hintergründige Aspekte ab, macht sich zum Nachdenken anregende Gedanken über das Besondere im Banalen, stellt aber auch bohrende Fragen zum Ist-Zustand unserer Welt und der Gesellschaft.
"Da denkst du dir nichts, und dann liest du Gedichte" hat er als Titel für seinen 94 Seiten umfassenden Gedichtband gewählt. Er hat sehr wohl überlegt gedacht und seine Überlegungen auf ansprechendem, nie in die Plattheit von volkstümelnden Verseschmieden abgleitendem Niveau formuliert. Es lohnt sich, lesend in seine dichterischen Gedankenwelten einzutauchen: Denken, Nachdenken, stellt sich dabei von selber ein.

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Jan Schedler, Alexander Häusler (Herausgeber) Autonome Nationalisten: Neonazis in Bewegung - VS Verlag Wiesbaden, 328 Seiten, 34,95 Euro
Bei Demonstrationen schwarz vermummt und gewaltbereit, agieren Teile der neonazistischen Szene gegenwärtig unter dem Label "Autonome Nationalisten", Tendenz steigend. Deutlich aktionsorientiert, begreift sich diese neue Generation von Neonazis als revolutionäre Avantgarde. Zentrales Merkmal ist die Übernahme linker Symbolik - Auftreten und Kleidung sind bis ins Detail dem politischen Gegner entlehnt, die Agitation von antikapitalistischer und antiimperialistischer Phraseologie bestimmt. Gezielt wird versucht, sich jugendkulturell zeitgemäß zu präsentieren und thematisch bislang eher von der Linken bestimmte Politikfelder zu besetzen. Erstmalig wird hier diese neue Erscheinungsform des Neonazismus umfassend aus sozialwissenschaftlicher Perspektive analysiert. Kann von einem Modernisierungsmoment der extremen Rechten gesprochen werden, oder handelt es sich um bloße Mimikry? Genese der Autonomen Nationalisten - Erscheinungsform - Strategie - Ideologie und Themen - Regionale Erscheinungsformen - Historischer Exkurs - Perspektiven und Kontroversen.

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Ludwig Laher - Verfahren - Roman Haymon-Verlag, 180 Seiten, Euro 19,90, ISBN: 978-3-85218-680-1
Jelena, eine Kosovo-Serbin, wird in ihrer Heimat wiederholt Opfer unvorstellbarer Gewalt. Die geht nicht vom Staat aus, sondern von enthemmten Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung. Schwer traumatisiert, hofft die junge Frau nach zwei Selbstmordversuchen auf einen Neuanfang in Österreich. Dort aber gerät sie in die Mühlen eines unmenschlichen Asylrechts, das seinem Namen nicht gerecht wird.
Seit langem prägt das Thema Asyl die öffentlichen Debatten und sorgt nach jedem von den Medien aufgegriffenen Einzelfall für heftige Kontroversen. Ludwig Laher überträgt diese brandaktuelle Thematik auf eine literarische Ebene. Er erzählt die exakt recherchierte Geschichte Jelenas als roten Faden eines aufwühlenden Romans, in dessen Mittelpunkt das Justizwesen selbst steht, die Welt der Paragraphen und ihrer Anwendung, ein Spiegelbild unserer Verfassung im doppelten Wortsinn: vielschichtig, mitreißend diskret, erhellend und weit davon entfernt, komplexen Fragestellungen mit einfachen Antworten beikommen zu wollen.

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Hans Schafranek - Söldner für den Anschluss Die Österreichische Legion 1933-1938 - 496 Seiten, EUR 29.90 - ISBN: 978-3-7076-0331-6
Wer waren Hitlers „Söldner für den Anschluss“? Die in Deutschland stationierte Österreichische Legion führte bisher in der zeitgeschichtlichen Forschung nur eine Schattenexistenz und war auch zahlenmäßig lediglich eine vage umrissene Größe. Sensationelle Archivfunde erlauben es erstmals, Geschichte, Organisationsstruktur, aber auch kollektiv-biografische Hintergründe und detaillierte Zahlenangaben dieser Gruppe zu rekonstruieren, die ursprünglich als paramilitärische Formation für die frühzeitige Annexion Österreichs konzipiert war.
Die Österreichische Legion umfasste mehr als 15 000 Aktivisten der österreichischen SA aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten – vom Bauernknecht und Hilfsarbeiter bis zum Arzt und Fabrikbesitzer. Sie alle flüchteten nach dem NSDAP-Verbot (Juni 1933) ins Deutsche Reich, wo sie in so genannten „Hilfswerklagern“ kaserniert und militärisch gedrillt wurden. Eine nicht geringe Anzahl von „Legionären“ hatte zuvor in Österreich durch die Beteiligung an Terroranschlägen blutige Spuren hinterlassen. Auch in Deutschland stellten die österreichischen „Legionäre“ einen permanenten Unruhefaktor dar: Anfänglich in Bayern, in der Nähe der Grenze zu Österreich stationiert, trugen sie durch Terroraktionen und enge Verbindungen mit der in Österreich illegalen NSDAP wesentlich zur Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem „Ständestaat“ und dem Deutschen Reich bei. Hans Schafraneks packende Studie basiert fast ausschließlich auf unveröffentlichten Quellen aus zahlreichen deutschen und österreichischen Archiven und betritt zeitgeschichtliches Neuland. Dank der überaus reichen Quellenbasis erschließt sich den Lesern ein facettenreiches Bild der Legion, das auch mentalitätsgeschichtliche Aspekte mit einschließt. Plastisch tritt das breite Spektrum zutage, aus dem sich jene Söldnertruppe rekrutierte: Es reichte von primär wirtschaftlich motivierten Flüchtlingen über Kleinkriminelle bis hin zu politisch schwer belasteten Sprengstoffattentätern und Mördern. Durch annähernd 150 Kurzbiografien zum Führungskorps der Legion ist das Buch zugleich ein wichtiges Nachschlagewerk zur Geschichte der österreichischen SA.

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Christine Stahl - Sehnsucht Brot - Essen und Hungern im KZ-Lagersystem Mauthausen, Edition Mauthausen, 340 Seiten, ISBN 978-3-902605-19-1 Preis: € 18.90
Die Bilder ausgemergelter KZ-Häftlinge, ihre eingefallenen Gesichter und ihre hervorstehenden Rippen, Männer und Frauen mit knapp der Hälfte ihres normalen Körpergewichts, gehören untrennbar zu unseren Vorstellungen eines Konzentrationslagers.
So präsent die Bilder der ausgezehrten KZ-Häftlinge in unserem kollektiven Gedächtnis sind, auf die hier gestellten Fragen gab es bisher keine erschöpfenden Antworten: Warum mussten die Menschen im Konzentrationslager hungern und gleichzeitig schwerste Zwangsarbeit leisten? Was bekamen sie überhaupt zu essen? Wie konnten sie unter solchen Umständen überleben?

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"...Garanten gegen den Faschismus..." Der Landesverband ehemals politisch Verfolgter in Oberösterreich - Autoren: Simon Loidl, Peter März - Herausgegeben vom Landesarchiv Oberösterreich * Linz 2010 * 350 Seiten * Preis EUR 26,- * ISBN 978-3-902801-00-5
Soeben erschienen ist das Buch "...Garanten gegen den Faschismus... Der Landesverband ehemals politisch Verfolgter in Oberösterreich" von Simon Loidl und Peter März.
Unmittelbar nach der Befreiung bemühten sich lokale und regionale Initiativen in ganz Österreich, die Opfer des NS-Regimes zu organisieren, um Entschädigungen und Hilfeleistungen einzufordern und die Verbrechen des Faschismus nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Anfang 1946 entstand aus diesen Gruppierungen der "Bundesverband ehemals politischer Verfolgter", umgangssprachlich kurz "KZVerband" genannt. Der "Landesverband ehemals politisch verfolgter Oberösterreich" spielte innerhalb des Bundesverbandes eine gewichtige Rolle. Nach der Auflösung des Bundesverbandes 1948 gingen vom oberösterreichischen Landesverband entscheidende Impulse zur Weiterführung der Verbandsarbeit aus.

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Susanne Rolinek, Gerald Lehner, und Christian Strasser - Im Schatten von Hitlers Heimat: Reiseführer in die braune Topographie von Oberösterreich, Czernin Verlag, 300 Seiten, Euro 19,80
Das vielfältige und prachtvolle Bundesland zwischen Dachsteingebirge im Süden, Böhmerwald im Norden, Innviertel im Westen und der Ennsmündung im Osten war Hitlers Heimat. Der verstoßene Dichter Carl Zuckmayer nannte das Innviertel „Hitlers Bruthecke“ – und rückblickend mutet es unheimlich an, wie eng in Oberösterreich die Schicksale von NS-Verbrechern wie Eichmann und Kaltenbrunner mit jenen der Vertriebenen, der KZ-Häftlinge in Mauthausen und seinen Nebenlagern oder der Widerstandskämpfer verbunden sind.
Hitler hatte große Pläne für seinen „Heimatgau“: Industrialisierung im Dienste der Kriegswirtschaft und auf Kosten Zehntausender KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, ein „judenfreies“ Land für Nazibonzen und Linz als neue Kulturmetropole. In Sichtweite des Konzentrationslagers von Mauthausen, in dem mehr als 100.000 Menschen aus 30 Nationen ermordet wurden, rauchten bei Linz die Hochöfen der „Hermann-Göring-Werke“, der späteren VOEST. Im Salzkammergut ließen sich die Familien von Joseph Goebbels, Ernst Kaltenbrunner und August Eigruber in enteigneten Villen nieder. Auf der anderen Seite leisteten Regimegegner in organisierten Gruppen im Salzkammergut, im Mühlviertel und den Industriestädten Widerstand. Doch die Verdienste der mutigen Männer und Frauen gerieten im Nachkriegsösterreich schnell in Vergessenheit, ebenso wie die NS-Zeit – bis jetzt, als neonazistische Vorfälle in Ebensee, Mauthausen und anderen Orten die Vergangenheit wieder sichtbar machten.

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Lisa Rettl & Peter Pirker "ICH WAR MIT FREUDEN DABEI" Der KZ-Arzt Sigbert Ramsauer - Eine österreichische Geschichte - mit einem Nachwort von Peter Gstettner, 352 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Euro 23,-, Milena Verlag, Wien 2010
"Die Juden mögen wir nicht", schwadronierte Sigbert Ramsauer, ehemaliger SS-Arzt im KZ am Loiblpass, amnestierter Kriegsverbrecher und praktischer Arzt in Klagenfurt, Anfang der 1990er Jahre in einem TV-Interview. Und zu seiner Rolle im NS-Getriebe erklärte er vor laufender Kamera freimütig: "Ich war mit Freuden dabei!"
Mit der Biografie des bis dato wenig bekannten österreichischen KZ-Arztes folgen die ZeithistorikerInnen Lisa Rettl und Peter Pirker einer Spur, die über den Vernichtungskrieg in Polen und der UdSSR durch die verschiedenen Konzentrationslager des Deutschen Reiches mäandert, nach Großbritannien führt und sich schlussendlich zu einem zutiefst österreichischen Stück Geschichte verdichtet: Sie manifestiert sich im Umgang mit NS-Tätern und ihren Opfern, im umfassenden Be- und Verschweigen, in der breiten gesellschaftlichen Hilfe für Kriegsverbrecher und letztlich auch in der zögerlichen strafrechtlichen Verfolgung.
Dank großer Akribie und außergewöhnlichem Quellenreichtum zeichnen Rettl und Pirker nicht nur den Lebensweg Ramsauers nach, sie skizzieren darüber hinaus einen bislang in der Zeitgeschichte unbearbeiteten Themenkomplex: den britischen Militärgerichtsprozess von 1947, Kärntens größten Kriegsverbrecherprozess.

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Dirk Ritter-Dausend : Scientology. Wissen, was stimmt, Freiburg im Breisgau ,  Herder Verlag, 2010, 128 Seiten, Euro 9,20
Keine "Sekte" erreicht die mediale Präsenz, die sich Scientology mit negativen Vorzeichen in der Öffentlichkeit erworben hat. Unermüdlich und mit Druck gegenüber den Mitgliedern arbeitet der Psychokonzern an der Expansion und verfährt nicht gerade zimperlich mit Kritikern. Obwohl der ersehnte Mitgliederzuwachs in Europa mehr als mäßig ist, etablierte Scientology in wichtigen Städten Zentralen, die unermüdlich nach neuen Anhängern Ausschau halten. Jugendliche sind dabei in das Zentrum des Interesses gerückt. Während die mediale Kritik und die Analysen des deutschen Verfassungsschutzes eine warnende Sprache sprechen, präsentiert sich die Organisation als verfolgte religiöse Minderheit und klagt in den USA unermüdlich die "bösen" europäischen Regierungen - so auch die jeweils in Österreich und Deutschland amtierenden - an, vergleichbar den Nazis die Religionsfreiheit mit Füßen zu treten.
Der Autor, als Scientologyexperte im Innenministerium Nordrhein-Westfalens tätig, ist erfolgreich bemüht, in gebotener Kürze Tatsachen über Scientology festzuhalten und manche Mythen zu entzaubern. Schockierend ist u.a. die wenig bekannte "grausame Behandlung von Kindern". (S. 65) Das Buch ist übersichtlich gegliedert und gibt auf die wichtigsten, in der Diskussion relevanten Fragestellungen verständliche Antworten. Unmissverständlich wird deutlich, dass die umstrittene Organisation mit ihrem antidemokratischen internen Weltbild nach Einfluss in Wirtschaft und Politik strebt. Information und Aufklärung sind ungebremst wichtig, um Leid zu verhindern. Das vorliegende Buch ist als Grundsatzinformation vorzüglich geeignet. - Roman Schweidlenka

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Simon Schneeberger : Fundamentalismus für Einsteiger,  Alibri Verlag, 2010, 197 Seiten, Euro 14,40
Rüttelte in den neunziger Jahren die Sektenproblematik die Gesellschaft auf, so ist es nach der Jahrtausendwende der Fundamentalismus moslemischer und christlicher Prägung. Wobei der letztgenannte weniger bekannt, aber politisch weitaus relevanter ist. Der Autor zeichnet in seinem Buch eine kurze, prägnante Charakteristik fundamentalistischer Strömungen. Seine These: Verletzte religiöse Gefühle sind zur wirksamsten politischen Waffe geworden, effektiver als Maschinenpistolen. Sie sind die Bomben in der politisch korrekten Kultur. Sie zwingen die demokratische Gesellschaft und die aus der Aufklärung resultierenden Werte in die Knie. Vor ihnen zittern Intellektuelle und Politiker. Die freie Meinungsäußerung und auch die Pressefreiheit zerschellen an der Flutwelle der verletzten Gefühle. Religionsfreiheit ohne Rücksicht darauf, welche Werte und Überzeugungen religiöse Gruppen vertreten, wird zur neuen Gottheit, zum obersten Dogma. Intoleranz dringt auf diesem Weg hinter den Kulissen in die Gesellschaft.
Schneeberger zeichnet nicht nur eine bissige Geschichte des Fundamentalismus und seiner Merkmale. Sein Verdienst ist es, immer wieder mit Humor, polemisch, provokativ und satirisch an das Thema heran zu gehen - vielleicht die erträglichste Form, um diesem Rückfall in vergangene Jahrhunderte zu begegnen. Nicht zuletzt erörtert er an Hand von Quellen die fundamental bedeutsame Frage: Wer ist der Antichrist? Barack Obama oder Papst Benedikt XVI.? - Roman Schweidlenka

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Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit, Frankfurt, Trotzdem Verlag, 2010, 96 S, 10 Euro
Karl Marx, auf Grund der Wirtschaftskrise wieder etwas aus der geschichtlichen Versenkung empor tauchender Vater des "Kommunistischen Manifests" hatte mit Lafargue seine liebe Not. Dieser war nicht nur sein Schwiegersohn, sondern vertrat völlig andere Konzepte zur Weltrevolution als der Herr Karl. Er plädierte für "Das Recht auf Faulheit". In seinem kurzen Essay zeichnete der unliebsame Schwiegersohn ein Bild des vom Kapitalismus ausgebeuteten Arbeiters, der sich Zwängen und Stress beugen muss, um den Herren des Kapitals hohe Profite zu erwirtschaften. Was schien da revolutionärer als die Muße? Lafargue, ein bewusster Provokateur, geriet mit diesen ketzerischen Ansichten nicht nur mit Karl Marx, sondern auch - trotz einer Laudatio Lenins - mit den Ideologen der revolutionären Arbeiterklasse in Konflikt, setzten die Genossen doch auf Arbeit, Leistung und alles was dazugehört, um den Kapitalismus zu überwinden. Dies mag eine heitere Episode der Geschichte sein. Doch heute, angesichts des Arbeits- und Leistungskults fast aller politischen Strömungen von links bis rechts, erlebt Lafargue eine Wiedergeburt. Sein Werk wird als eine konkrete, emanzipative Utopie bewertet, die sich gegen die Überzeugung "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" richtet. Auf jeden Fall ein kleines Buch, das zum Nachdenken anregt, wie viel Selbstbestimmung in unserer Arbeit noch möglich ist. Und wer sich über seinen Chef ärgern muss, kann abends wie ein Mantra ein Bekenntnis des exzentrischen Lafargue wiederholen: "Nicht auferlegen, verbieten muss man die Arbeit." (S.64) - Roman Schweidlenka

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Gregor Mayer, Bernhard Odehnal: Aufmarsch. Die rechte Gefahr aus Osteuropa.  Salzburg, Residenz Verlag, 2010. -  297 S. ISBN 978-3-7017-3175-6 - 22.50 €
Die Zunahme rechtsextremer Aktivitäten beunruhigt seit Jahren demokratisch gesinnte Menschen. Dabei fiel der Blick fast immer auf Deutschland und Österreich, bestenfalls auf Westeuropa. Osteuropa, das seit dem Zusammenbruch des Kommunismus mit besonderen sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, blieb lange ausgeklammert. Das vorliegende Buch schildert nun die Situation in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Serbien, Kroatien und Bulgarien - und schockiert. In Ungarn sind rechtsextreme und neonazistische Ideologien weit in die Mitte der Gesellschaft vorgerückt, erfolgreiche politische Parteien sind mit der radikalen Neonaziszene verknüpft, enge Schulterschlüsse mit einschlägigen "KameradInnen" aus Deutschland und Österreich werden intensiv gepflegt. Dabei kommt es immer wieder zu Gewaltakten gegen Roma, die oft in Slums leben. Neben den Juden sind die Roma Feindbild Nr. 1 für die rechtsextremen AktivistInnen. Militante Garden ziehen durch das Land, währen die demokratische Mitte und die Linke eher gelähmt wirken. Faschistische Relikte erheben sich auch in anderen osteuropäischen Ländern aus ihren vergessenen, im Kommunismus unterdrückten Gräbern. Erstaunlich, wie intensiv die neue radikale Rechte - besonders in Ungarn - in ihrer Agitation auf Jugendliche setzt. Heavy Metal, Rechtsrock und andere jugendkulturelle Szenen werden wie in Deutschland und Österreich instrumentalisiert, um Jugendlichen den Hass auf Demokratie und Minderheiten einzutrichtern. Interessant auch die große Bedeutung esoterischer Strömungen für die Renaissance des Neofaschismus. Das reicht von Spielarten eines "nationalen Schamanismus" in Ungarn bis zu mystisch-esoterischen Kulten um die Kronen längst von der Geschichte überholter Königshäuser, die angeblich einen okkulten Draht zwischen Himmel und Staat herstellen. Für politisch interessierte LeserInnen ist dieses Buch von unschätzbarem Wert. Es sollte seinen Weg zu jenen ZeitgenossInnen finden, die gerne wegsehen. Denn Wegsehen ist kein Weg, um demokratische Kultur lebendig zu erhalten. - Roman Schweidlenka

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Gesamtangebot der edition mauthausen

Die edition mauthausen ist die Schriftenreihe des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und besteht seit 2006. Mit diesen Werken soll ganz bewusst eine größere Publikum als die rein akademischen AdressatInnen angesprochen werden – sei es der Einsatz in der Jugendarbeit oder in Schulen. Alle Publikationen sind im Buchhandel erhältlich.
Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die Publikationen hier nicht einzeln aufgelistet, sondern können in einer fünfseitigen A4-formatigen PDF downgeloaden werden.

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In "Aufmarsch - Die rechte Gefahr aus Osteuropa" (Residenz Verlag, 304 Seiten, 21,90 Euro) schildern Gregor Mayer und Bernhard Odehnal die rechtsextreme Szene in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien. Die Autoren haben in allen genannten Ländern selbst recherchiert. Sie zeigen, wie gegen Roma, Juden und Homosexuelle gehetzt wird und wie diese Propaganda in den Alltag einsickert. Sie stellen die neue Generation der "Führer" vor. Und sie verweisen auf die Querverbindungen zu rechtsextremen Gruppen in Deutschland und Österreich, die eine "Achse des nationalen Widerstands" schaffen wollen. Mayer und Odehnal benennen deutlich die Gefahr, die von dieser Entwicklung ausgeht - für die politische Stabilität der einzelnen Länder selbst wie für die Demokratie in der Europäischen Union insgesamt. Äußerst lesenswert!

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Heuer feiert das Mauthausen Komitee Vöcklabruck sein 25-jähriges Bestehen. In diesem Vierteljahrhundert hat das Komitee unzählige Aktivitäten gesetzt und auch eine ganze Reihe von Erfolge verzeichnen können. Unter anderem wurden bei den drei Nebenlagern des KZ Mauthausen im Bezirk Vöcklabruck Gedenkstätten errichtet.
Auf Anregung des Generalsekretärs des Internationalen Mauthausen Komitees (IMK), Albert Langanke, hat das Mauthausen Komitee Vöcklabruck jetzt eine reich bebilderte 24-seitige Broschüre herausgegeben. Diese dokumentiert an vielen ausgewählten Beispielen die seit 1985 geleistete Arbeit.
Die Broschüre "Mauthausen Komitee Vöcklabruck. 25 Jahre Entwicklung 1985 - 2010" von Robert Bach, Günther Grabner und Alois Sattleder kann unter voecklabruck@oegb.at oder unter 07672/23444 kostenlos bestellt werden.

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Harald Bergsdorf: Fakten statt Fälschungen. Argumente gegen rechtsextreme Parolen, Olzog Verlag, 14.90 €
Der moderne Rechtsextremismus arbeitet auf zwei Ebenen: Einerseits mit dem Aufbau kaderartiger Strukturen, andererseits mit einem Populismus, der die wahren antidemokratischen Ziele zumindest teilweise verbirgt. In den Diskussionen werfen rechtsextreme Agitatoren immer wieder Behauptungen unter das Volk, die nicht wahrer werden, wenn sie hunderte Male wiederholt werden. Oft ist es aber schwierig, mit Fakten den populistischen Parolen - von Islamisierung über Überfremdung bis zu Ausländerkriminalität - entgegen zu treten. Das vorliegende Buch darf getrost als Standardratgeber gelten. Kurz und verständlich werden die gängigen rechtsextremen Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin analysiert und es bleibt wenig Wahres über. Eine unverzichtbare Hilfe in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Ideologien liegt hiermit vor. Interessant, nicht nur für deutsche Leser, ist die kurz und prägnant vorgestellte Entwicklung der NPD und eine Übersicht über jene neonazistischen Symbole und Darstellungen, die in Deutschland verboten sind.

Dr. Roman Schweidlenka

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Rechtsextrem
Vom Mauthausen Komitee Österreich wurde das Buch von Christa Bauer und Willi Mernyi „Rechtsextrem – Symbole, Codes, Musik, Gesetze, Organisationen“ publiziert, Euro 19,80.
Wenn von Rechtsextremisten und Neofaschisten die Rede ist, entsteht in vielen Köpfen das Bild von kahl geschorenen, grölenden jungen Männern in Bomberjacke und Springerstiefeln. Doch in der rechtsextremen Szene hat eine Identitätenmischung stattgefunden.
Natürlich gibt es diese Gruppe von Rechtsextremisten und Nazi-Skins, und die von ihnen ausgehende Gewalt darf keinesfalls verharmlost werden. Es ist jedoch nicht immer einfach zu erkennen, wer zur rechten Szene gehört. Die Kleidung wird „cooler“ – modische Accessoires und Mainstream-Produkte statt Schläger-Outfits. Mit jugendkulturellen Codes auf der Kleidung, deren Bedeutung in der Regel nur in der Szene bekannt ist, outet man sich szeneintern. Besonders für LehrerInnen, JugendarbeiterInnen, SozialarbeiterInnen, BetriebsrätInnen, AusbildnerInnen und Eltern wird es immer schwieriger, rechtsextreme Modemarken, Symbole, Szene- und Dresscodes zu decodieren. Das Buch „Rechtsextrem“ bietet allgemeingültige Hintergründe zu rechtsextremen Jugendkulturen und liefert Informationen zu rechtsextremer Musik, Kleidung, Symbolen, zu Codes, Begriffen und Abkürzungen sowie rechtsextremen Organisationen. Zusätzlich widmet sich das Buch auch den Fragen „Was kann ich tun, wenn ich rechtsextreme Symboliken bei Jugendlichen erkenne? Was kann ich tun, wenn ich höre, wie nationalsozialistische Parolen oder Lieder von rechtsextremen Bands gegrölt werden? Wohin kann ich mich wenden?
Zu bestellen über http://www.rechtsextrem.at/bestellung oder im Buchhandel.

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Da mach´ ich nicht mit
Ab sofort ist das Pixi-Büchlein "Da mach´ich nicht mit! ... Argumente gegen "rechte" Sprüche ..." erhältlich. Das Heftchen kann heruntergeladen  oder auch in gedruckter Form kostenlos bei "Land der Menschen" bestelt werden.
Land der Menschen will mit einschlägigen Publikationen, Vorurteile gegenüber sog. AusländerInnen, Asylsuchenden, oder wie auch immer angebliche "Fremde" im Volksmund genannt werden abbauen. Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene - Download pdf.
Bestellungen an landdermenschen.ooe@aon.at Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können.

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Gefährliche Fahndung - 4er DVD-Box (Straßenfeger Nr. 20) - Regie: Rainer Hausdorf, Darsteller: Jaecki Schwarz, Rolf Hoppe, Günter Schubert, Ulrich Rudolph - DDR 1978 - 513 min
Der junge österreichische Kriminalinspektor Toni Pleisner ist ein erklärter Antifaschist. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf eine Gruppe ehemaliger Nazis, die an einem großangelegten Kunstraub beteiligt waren und nach 1945 mit dem so zusammengestohlenen Vermögen Rüstung und Propaganda in der BRD finanzieren wollen. Toni setzt sich auf die Spur der Nazis und verfolgt sie durch zahlreiche Länder. Bei seinen Ermittlungen, die ihn in die Türkei, die Schweiz und die BRD führen, kommt er dem ehemaligen NS-Wehrwirtschaftsführer auf die Spur, der unter falschem Namen in der BRD lebt.
Die Vorgeschichte zur Handlung dieser DDR-Fernsehserie basiert lose auf dem Leben des Ischler Kommunisten Sepp Plieseis (1913-1966), dem "Partisan der Berge", der nach seiner Flucht aus dem KZ im Salzkammergut eine Widerstandsgruppe aufbaute, mit dem berühmten "Igel" als Versteck im Gebirge bei Bad Aussee.

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Jens Urbat: Rechtspopulisten an der Macht. Silvio Berlusconis Forza Italia im neuen italienischen Parteiensystem, LIT Verlag, Hamburg, 39.90 €
Rechtspopulismus ist zu einem europaweiten politischen Phänomen geworden, das oft schwer fassbar ist und durch seine Unschärfe zu vielfältigen Spekulationen Anlass gibt. Die vorliegende umfassende Studie bietet eine differenzierte Diskussion der Begriffe Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus, ohne die keine klaren politischen Erkenntnisse gewonnen werden können. Der Autor zeichnet das alte italienische Parteiensystem nach, erklärt die Hintergründe für seinen Verfall (1994) und widmet sich dann ausführlich dem mehr als umstrittenen rechtspopulistischen italienischen Führer und seiner Partei. Dabei ist es erstaunlich, dass Berlusconis Aufstieg teilweise im Dunkeln liegt, vor allem ist unklar, wie er zu dem Kapital für seinen kometenhaften Aufstieg kam. Urbat zitiert italienische Studien und journalistische Recherchen, denen zufolge Berlusconi Kontakte zur Mafia unterhielt und Mitglied der faschistischen Geheimloge P2 war. Thesen besagen, dass aus diesen Quellen Geldflüsse den Aufstieg des skandalträchtigen politischen Führers ermöglichten. Berlusconi, ewig im Kampf mit der Justiz und überzeugt, über geltendem Recht zu stehen, beherrscht mit seiner medialen Macht einen beachtlichen Teil der öffentlichen Meinung in Italien. Die italienische Bevölkerung hat sich nach der überwundenen scharfen Grenzziehung zwischen antikommunistischer und prokommunistischer Politik (1989) von ihrem hohen Politisierungsgrad abgewendet und verharrt heute, vergleichbar der Situation in anderen europäischen Ländern, in großteils unpolitischer, egozentrischer Nabelschau.
Das Buch, das streng wissenschaftlichen Kriterien folgt, liest sich dennoch wie ein Kriminalroman, d.h. der Autor schafft die Kunst, geballte Informationen spannend an den interessierten Leser zu bringen. So entsteht das Bild und die Analyse einer rechtspopulistischen Partei zwischen oberflächlicher, klischeehafter, manchmal rassistischer, sexistischer Agitation und bedenklichen Verflechtungen bis hin zur Cosa Nostra. Unter all dem leidet die italienische Sozialpolitik und andere wichtige gesellschaftliche Bereiche. Urbat schließt sein Buch mit der Frage ab, ob Berlusconi eine Gefahr für die italienische Demokratie bedeutet. Seine Antwort sei hier nicht verraten.
Die vorliegende Studie ist sicherlich für alle politisch interessierten Italienfans ein Muss, bietet darüber hinaus aber auch allgemein an politischen, zeitgeschichtlichen und faschismuskritischen Inhalten Interessierten wertvolles Informationsmaterial.

Dr. Roman Schweidlenka

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ASLI BAYRAM - Grenzgängerin - Leben zwischen den Welten
Gütersloher Verlagshaus, gebunden, 175 Seiten,
ISBN: 978-3-579-06880-0 - Euro 18,50

Das beeindruckende Buch einer imponierenden Frau: authentisch, ehrlich, direkt, Einblicke in ein Leben geprägt vom Glauben an die Kraft von Wahrheit, Hoffnung, Menschlichkeit und Liebe.
Asli Bayram ist eine Grenzgängerin zwischen verschiedenen Kulturen und Lebensweisen. Beruflich wie privat reist sie um die Welt, lebt abwechselnd in London, Wien und Los Angeles. In diesem Buch erzählt Asli Bayram, wie sie ihr intensives Leben mit Leidenschaft, Zuversicht und Tatkraft aktiv gestaltet und dabei immer die elementaren Begriffe Toleranz und Respekt im Blick hat. Ihr Buch ist ein Lebensbericht als Parabel und Motivation für andere. Die Entschlossenheit und Präzision ihrer Film- und Theaterarbeiten spürt man auch bei der Lektüre ihres Buchdebüts.

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Martin Schmid und  Marco Storni: Jugendliche im Dunkelfeld rechtsextremer Gewalt. Viktimisierungsprozesse und Bewältigungsstrategien, Zürich 2009, Seismo Verlag
Über rechtsextreme TäterInnen und rechts orientierte Jugendliche gibt es inzwischen einige ernst zu nehmende, wissenschaftlich fundierte Werke, auch solche, die in leichter lesbarer Form über die Thematik informieren. Von den vielfach jugendlichen Opfern rechtsextremer Gewalt spricht aber (fast) niemand; es sei denn, es handelt sich um langfristige körperliche Schädigungen. Diese mögen gelegentlich ihren Weg in ein Medium finden und bei den LeserInnen für Betroffenheit sorgen. Die Folgeschäden auf psychischer, seelischer Ebene werden erstmals in dem vorliegenden Buch analysiert und dargestellt. Bedeutend scheint die Tatsache zu sein, dass die Opfer immer einem spezifischen Gruppenfeindbild entsprechen; ferner ist die Tatsache von Bedeutung, dass rechtsextreme Gewalt vor allem ein (groß)städtisches Phänomen ist, Anonymität bei der Gewaltausübung eine wichtige Rolle spielt. Der vorliegende Band beschreibt einzelne Opfer-Fälle von der Konfrontation mit Gewalt bis zu den verschiedenen (psychischen) Verarbeitungsversuchen und verbindet die Ausführungen mit den Grundlagen und Arbeitsmethoden der Soziologie.

Dr. Roman Schweidlenka

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Jürgen Peters, Christoph Schulze (Hg): "Autonome Nationalisten". Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag, Münster 2009
Die Zeit, in der der Archetypus des rechtsextremen Jugendlichen an Springerstiefeln, Glatze und Skinheadgebärden zu erkennen war, ist längst vorbei. Inzwischen arbeitet die extreme Rechte fleißig an der Unterwanderung so ziemlich aller Jugendkulturen und Musikszenen und toleriert auch langhaarige Neonazis, die mit Palästinenserschals durch die Straßen spazieren oder auf der Suche nach Satan ihre Identität finden. Eine neue Spielart sind die militanten autonomen Nationalisten, die das Outfit beim anarchistischen Schwarzen Block abgeschaut haben, so wie dieser auch gewaltbereit sind. Was sie unterscheidet: Der Ruf nach der Abschaffung des Staates auf Seiten der extremen Linken -   eine radikale neonazistische Ideologie auf Seiten der Rechtsextremen. Das vorliegende kleine Buch gibt erstmals einen umfassenden Einblick in diese neue rechtsextreme Jugendszene, die bereits bei Wiener Demonstrationen gesichtet worden war. Mit ihrer "Propaganda der Tat" tragen diese schwarz Vermummten rassistische Ideologien auf die Straße. Auch wenn es inzwischen in Deutschland mit der NPD strategische Meinungsverschiedenheiten gibt, sucht doch diese Partei die Stimmen bürgerlich gesinnter Men-schen zu bekommen, gibt es dennoch immer wieder Felder der Zusammenarbeit. Ein Buch für politisch In-teressierte und in der offenen Jugendarbeit Tätige.

Dr. Roman Schweidlenka

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Gut verständlich und praxisnah: Holger Kulick: "Das Buch gegen Nazis" Rechtsextremismus - Was man wissen muss und wie man sich wehren kann ISBN: 3462041606

Erste Hilfe gegen Nazis - das Handbuch zum Rechtsextremismus. Eine neue Studie zeigt: Neonazis haben unter Schülern immer mehr Zulauf. Rassismus und Fremdenhass nehmen zu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Was tun gegen Nazis? Erste Hilfe bietet dieses Buch. Rechtsextremismus breitet sich aus, nicht nur unter Jugendlichen. Neonazis erkennt man längst nicht mehr an Springerstiefeln und Glatze. Ihre Anführer geben sich cool - sie locken mit Musik, Abenteuern und modischem Chic. Immer mehr Menschen fragen: Was tun? Welche Rezepte gibt es, um friedlich und kreativ gegen Rechtsextreme und Rassisten vorzugehen - sei es als Nachbar, im Sportverein, in der Schule oder am Arbeitsplatz? Und was ist Rechtsextremismus überhaupt? Soll man mit Nazis eigentlich diskutieren? Woran erkenne ich die? Wie soll man auf Drohungen von Rechtsextremisten reagieren? Was tue ich, wenn meine beste Freundin plötzlich NPD wählt? Hilft ein Verbot der Partei? Und sind Sitzblockaden bei Neonazi-Demonstrationen eigentlich strafbar? Das Buch gegen Nazis vermittelt kompaktes Wissen und gibt praktische Tipps. Es stellt bei-spielhafte Initiativen vor und empfiehlt Ansprechpartner für Ratsuchende. Ein Anhang mit zahlreichen Fotos erklärt die Erkennungszeichen der Nazis von heute. Mit Vorworten von Thomas Krüger und Giovanni di Lorenzo und Beiträgen von zahlreichen Fachautoren. Ein Projekt der ZEIT und der Bundeszentrale für politische Bildung in der BRD.

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Martin Haidinger, Günther Steinbach - Unser Hitler - Die Österreicher und ihr Landsmann - 2009, 379 Seiten, Farb- uns SW-Abbildungen, gebunden, 24 Euro Ecowin Verlag, ISBN-13: 9783902404718
Noch immer liegt Hitlers Schatten über Österreich. Die beiden gebürtigen Wiener Günther Steinbach und Martin Haidinger analysieren hier sehr sachlich Hitlers problematisches Verhältnis zu seinem Geburtsland und das noch viel zwiespältigere der Österreicher zu ihrem Landsmann. Warum wurden so viele Österreicher Nationalsozialisten? Was ist dran an der Theorie von Österreich als Hitlers Opfer? Zeitzeugen bringen neue Fakten zutage, die zeigen, wie groß die Grauzone zwischen Anhängerschaft und Ablehnung tatsächlich war.

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Klaus Ottomeyer - Jörg Haider, Mythenbildung und Erbschaft - 2009, 203 Seiten, mit SW-Abb., kartoniert (TB), Drava-Vlg. ISBN-13: 9783854355670, 16.80 EUR
Als Jörg Haider im Herbst 2008 durch einen spektakulären, allein- und selbstverschuldeten Autounfall von der Bühne des (öffentlichen) Lebens abtrat, auf der er als sich als einzig echter und zuverlässiger Politiker verkaufte, wurde die Doppelbödigkeit seiner politischen Inszenierungen schlagartig sichtbar. Die damit verbundene Irritation wurde sofort überspielt und von seiner Gefolgschaft mit großflächigen Trauerbekundungen und Verschwörungstheorien beantwortet. Während die Aufteilung und Vermarktung seines Erbes unmittelbar danach einsetzte, wurde gleichzeitig versucht, Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung mit dem "verlorenen Liebesobjekt" unter Berufung auf die Trauernden im Land und die Pietät zu unterbinden.
Klaus Ottomeyer thematisiert und analysiert vor diesem Hintergrund die Trauer um Haider und die Idealisierung seiner Person. Die tiefe Betroffenheit von Teilen der Kärntner Bevölkerung und deren mediale Darstellung trafen außerhalb Kärntens auf Unverständnis. WelcheMechanismen dabei wirksam und welche Hoffnungen in die Person Jörg Haiders projiziert wurden, wird in der vorliegenden Studie untersucht. Zum vielfach ausgeblendeten Erbe Haiders gehören Ausgrenzungsrhetorik und Säuberungsmentalität gegenüber Minderheiten. Dies bringt eine permanente Gefährdung des Rechtsstaates mit sich. Dieses Erbe wird von Haiders politischen Nachfolgern mittlerweile konsequent umgesetzt. Umso wichtiger ist es, eine klare Position einzunehmen und den Missbrauch von Gefühlen und Hoffnungen zu analysieren.

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Laut gegen Rechts!
Neonazi-Provokationen bei einer Gedenkfeier ehemaliger Häftlinge im ehemaligen KZ-Außenlager Ebensee. Zeigen des Hitlergrußes bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung. Eine Nazi-Gruppierung, die für ihr Parteiprogramm aus SS-Schulungstexten abgeschrieben hat und trotzdem eingetragene politische Partei ist. Neofaschisten, die auf Demonstrationen offen auftreten und vor einer Moschee "Anzünden, Anzünden" skandieren. Diese Auflistung ist eine unvollständige Darstellung der Ereignisse der vergangenen Wochen.
Diese Zeiten verlangen nach einer lauten Gegenstimme!
Eine solche Gegenstimme stellt die CD "Laut gegen Rechts!" dar, die von der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ) mit Unterstützung zahlreicher namhafter österreichischer wie internationaler MusikerInnen herausgegeben wurde. Für den Sampler stellten unter anderem Attwenger, Texta, Russkaja, Sigi Maron, Mono & Nikitaman, Guadalajara und Tocotronic Lieder zur Verfügung.
Preis inklusive Versand: 5 Euro, Bestellungen per mail an: kjoe@kjoe.at

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David Harvey: Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Rotpunktverlag Zürich, Paperback, 279 S.,
ISBN: 385869343x, 24 €
Vom Neoliberalismus sprechen viele, meist sehr unfreundlich, doch wenig wissen, was denn dieser Neoliberalismus wirklich ist. In diesem Fall kann nur auf das gut lesbare, übersichtliche Buch des kanadischen Anthropologieprofessors David Harvey hingewiesen werden. Wer es gelesen hat, blickt ziemlich durch. Die folgenden Ausführungen folgen den Thesen und wissenschaftlichen Ausführungen Harveys.
Neoliberalismus ist eine spezielle Erscheinungsform eines alten Bekannten, des Kapitalismus. Und die zur Zeit mächtigste. Noch nach dem Krieg war der neoliberale Vordenkerkreis um Hayek, Friedmann und Karl Popper eine kleine kapitalistische Sekte.
Erfolge der Arbeiterbewegung, Bürgerrechtsbewegungen und demokratische Aktivitäten hatten zu dem "eingebetteten Liberalismus" oder Keynesianismus geführt: Die Macht der kleinen herrschenden Kapitalistencliques war etwas reduziert worden - keine Angst, diese Leute nagten auch damals nicht am Hungertuch - und die ArbeiterInnen und Angestellten bekamen etwas mehr von dem Kuchen, der ihre Arbeit gebacken wurde. Sie konnten in bescheidenem Ausmaß am gesellschaftlichen Reichtum mitnaschen. Das wiederum war den kleinen herrschenden Machteliten ein Dorn im Auge. Und sie entdeckten und förderten die kleine Sekte der NeoliberalistInnen.
Neoliberalismus setzt lautstark auf Grenzenlosigkeit und Freiheit. Was gut klingt, konkret ist damit aber vor allem die Freiheit der Unternehmer, mehr noch, der großen Konzerne gemeint. Nun gibt es aber in der neoliberalen Weltsicht ein paar abartige Hindernisse, die frecherweise dem Reich der Freiheit entgegenwirken:
> Starke Gewerkschaften
> Den Sozialstaat
> Ökologische Schutzbestimmungen
Diesen in neoliberalen Augen verwerflichen politischen Größen sag(t)en Neoliberale den Kampf an. Und förderten das Finanzkapital, das sich grenzenlos frei entfalten sollte, was zu unserer zur Zeit hinlänglichen bekannten Wirtschaftskrise führte. Auch wenn sich Neoliberale keinen regulierenden Staat wünschen: In Krisenzeiten rufen sie lautstark nach ihm.

Nach neoliberalem Glaubenskonzept ist die Förderung der (Super)Reichen unumgänglich, denn, würden diese immer reicher werden, würde auch der Reichtum irgendwie von oben nach unten einsickern, d.h. auch die Armen, besser gesagt, wir alle, könnten dann von Tropfen des wie Manna herabregnenden Kapitals trinken. Wie dies geschehen soll bleibt unklar. Durch Magie? Rituale? Beschwörungen? Hier sind uns neoliberale "DenkerInnen" die Antwort schuldig geblieben. Nur eines steht fest: In allen neoliberalen Staaten konnten sich die alten Machteliten neu festigen, in den ehemals kommunistischen Staaten bildeten sich neue Eliten. Der Reichtum dieser kleinen Schichten stieg sprunghaft an, während alle anderen finanziell deutlich abbauten. Die Schere zwischen arm und reich klafft wieder immer weiter auseinander. Die großen neoliberalen politischen Wegbereiter waren der Schauspieler Ronald Reagan, der auch US-Präsident war und die englische eiserne Lady  Thatcher, die es sich auch mit Iron Maiden anlegte (dies nur so nebenbei), aber auch angeblich "linke" Politfiguren wie der enttäuschende Jimmy Carter und sein Kollege Tony Blair.
Neoliberalismus muss nicht mit Demokratie gekoppelt sein, was nicht zuletzt der Fall der neoliberalen chinesischen Diktatur zeigt. Experimentierfeld des Neoliberalismus war Chile: 1973 puschte der Faschist Pinochet die demokratisch gewählte Regierung in die Gefangenenlager, tötete und folterte viele politische GegnerInnen mit Hilfe der ariergläubigen, faschistischen und pädophilen Sekte Colonia Dignidad und bereite den neoliberalen Boden vor.
So weit so schlecht. Wie dieser kleine, sehr unvollständige Einblick in die neoliberale Religion zeigt, sind viele unserer Sparpakete, der Abbau des Sozialstaates, die Schwächung der Gewerkschaften etc. nicht durch irgendwelche nebulosen Zwänge bestimmt, sondern nüchternes politisches Kalkül. Dass in dieser gesellschaftlichen Atmosphäre der Verunsicherung und des Herandämmerns der neuen Armut Menschen zu destruktiven Heilslehren im religiösen und politischen Bereich greifen ist verständlich.
Vielleicht ist der Rechtsextremismus die letzte "Rettung" des Neoliberalismus. Denn er lenkt meist von den Verursachern der Krise ab und richtet die Wut der Ausgebeuteten auf Feindbilder, die beliebig austauschbar sind. Ein weiterer Trick des Neoliberalismus ist es, seine seelische Leere mit "Werten" zuzudecken: So kam es zur spezies des homo neokonservativus, d.h. zu den Neokonservativen (über die sich Mike Jagger gar nicht nett äußerte), die Neoliberalismus mit meist reaktionär interpretierten "Werten" aufpeppeln möchten.
Es ist gut zu wissen, was läuft. Politische Bildung sollten wir uns leisten. Vielleicht auch das erwähnte Buch.

Roman Schweidlenka

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Pammer Leopold - Hitler und seine Vorbilder zahlreiche Abbildungen, 324 seiten, 79 Euro, VDM Verlag Dr. Müller AG
ISBN ist 987-3-639-10178-2.

Übersicht über die Ideengeschichte und ihre Vertreter vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland. Überblick über die wichtigsten philosophischen Strömungen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, die Einfluss auf Hitlers Ideologie hatten. Von Richard Wagner über Georg Ritter von Schönerer, Karl Lueger und Lanz von Liebenfels bis zu Houston Stewart Chamberlain, Oswald Spengler und Dietrich Eckart spannt sich der Bogen der Persönlichkeiten, die mehr oder minder stark die Einstellungen Hitlers zu den Problemen seiner Zeit beeinflusst haben. Außerdem wird der verhängnisvolle Einfluss den die "Protokolle der Weisen von Zion" bis zum heutigen Tag auf den internationalen Rechtsextremismus hatten und haben, ausführlich dokumentiert.
Die bei den Antifa-Info-LeserInnen so gut angekommene Serie über Hitlers Vorbilder und die "Weisen von Zion" - erschienen von 2000 bis 2007 in 31 Teilen - gibt es also jetzt als Buch!
Weiterhin lieferbar: die "Vorbilder" als e-Book (zum Downloaden im PDF-Format) um 5,49 € - 229 Seiten - Tredition, ISBN: 978-3-86850-002-8

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Walter Kohl Die dunklen Seiten des Planeten - Rudi Gelbard, der Kämpfer Buchverlag Franz Steinmaßl 2008, 236 Seiten, ISBN 978-3-902427-56-4, EUR 24,50
Buchbestellung: geschichte-heimat@aon.at
Rudi Gelbard, geboren 1930, erlebte in Wien eine spannende und behütete Lausbuben-Kindheit in einer jüdischen Großfamilie. Die Idylle brach im Jahr 193 8 mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten.
1942 kam Gelbard mit seiner Familie in das KZ Theresienstadt. Dieses Lager war für die Nazis eine Art Verschiebebahnhof, von dort gingen die Transporte in die großen Vernichtungslager. Die Familie überlebte, weil seine Mutter in einer kriegswichtigen Produktion eingesetzt war.
Bei der Befreiung des Lagers 1945 lebten von den etwa 10.000 Kindern, die zeitweise dort gelebt hatten, noch 1.633, unter ihnen Rudi Gelbard. Neunzehn andere Mitglieder der Großfamilie kamen nicht mehr zurück, sie waren ermordet worden. Gelbards Vater, ein gebrochener Mann, starb nach wenigen Jahren, auch seine Mutter litt ihr ganzes weiteres Leben an den Folgen des erlebten Grauens. All das prägte Gelbard für sein weiteres Leben, er wurde ein glühender Mahner wider das Vergessen und ging keiner Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen undAuschwitz-Leugnern aus dem Weg. Schon das Kind Gelbard war im KZ „Zionist sozialdemokratischer Prägung" geworden, wie er es selbst nennt. Heute ist er Träger hoher Auszeichnungen und weithin anerkannte Zentralgestalt der Gedenkkultur.

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Brigitte Hamann, Hitlers Edeljude - Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch, Piper, ISBN: 978-3-492-05164-4 Gebunden 25,60 Euro, 512 Seiten, ca. 100 Abb.
Dr. Eduard Bloch (1872-1945) war in Linz Hausarzt von Hitlers Mutter Klara. Aufopfernd begleitete er 1907 ihr Sterben. Damals entwickelte sich eine herzliche Beziehung zwischen dem frommen Juden und dem 18-jährigen Adolf Hitler. Als der "Führer" 1938 in Linz einzog, erwähnte er mehrfach lobend den "Edeljuden Dr. Bloch". Er sorgte dafür, dass Bloch von der Linzer Gestapo "geschützt" wurde und 1940 mit seiner Frau in die USA emigrieren konnte. Doch Amerika wurde ihnen nicht mehr zur Heimat. Brigitte Hamann erzählt aus vielen privaten Quellen von Bloch und dessen großer Familie, von einem Leben in politisch wirren Zeiten. In "Hitlers Wien" hat sie die Ursprünge von Hitlers Antisemitismus erklärt. Hier widerlegt sie auch die absurde These, der jüdische Arzt Dr. Bloch sei einer der Auslöser dafür gewesen.

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Dunja Larise / Thomas Schmidinger: Zwischen Gottesstaat und Demokratie. Handbuch des politischen Islam, 320 Seiten, Zsolnay Verlag, ISBN: 978-3552060838, Preis: € 20,50
Die Diskussionen über den Islam und echten wie angeblichen politischen Islamismus sind in Österreich vor allem durch Unwissenheit und Verallgemeinerungen gekennzeichnet. Der kenntnisreiche Wiener Politikwissenschafter Thomas Schmidinger ist hier schon seit geraumer Zeit ein einsamer Lichtblick, nun hat er gemeinsam mit der in Sarajevo geborenen Dunja Larise ein "Handbuch des politischen Islam" herausgegeben, das sich vor allem mit der Lage in Österreich befasst. Verstärkt wurden Larise und Schmidinger dabei von einem Team junger StudentInnen und JournalistInnen.
Im ersten Teil wird in die Begrifflichkeiten eingeführt und die Geschichte des Islam in Österreich, die ja bis weit in die Monarchie zurückreicht, dargestellt.
Der zweite und eigentliche Hauptteil befasst sich mit Organisationen, Akteuren und Strukturen des politischen Islam in Österreich, gegliedert nach dem jeweiligen Migrationshintergrund - oder Nicht-Migrationshintergrund, denn auch den Konvertiten aus Österreich ist ein Kapitel gewidmet.
Der dritte Teil befasst sich mit der "Sonderfall" der "Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich" (IGGiÖ), die zwar die offizielle Vertretung der Religionsgeminschaft ist, innerhalb der moslemischen Community aber nur beschränkten Rückhalt geniesst.
"Zwischen Gottesstaat und Demokratie" ist ein gut aufgebautes und verständlich geschriebenes Standardwerk für jeden, der sich mit dem Islam in Österreich befasst. Es ist bestens geeignet als Einstiegslektüre in die Thematik ebenso wie als Nachschlagewerk für ExpertInnen - wobei hierfür ein Register hilfreich gewesen wäre, dessen Fehlen allerdings den einzigen kleinen Schwachpunkt des Buches darstellt.

Thomas Rammerstorfer

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Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht  - Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, Studienverlag 2008, 29,90 Euro
Zahlreiche NS-Kriegsverbrecher, unter ihnen Josef Mengele, Adolf Eichmann und Erich Priebke, entzogen sich der drohenden Strafverfolgung nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes durch Flucht nach Übersee. Als Fluchthelfer dienten vor allem internationale Organisationen wie das Rote Kreuz, das vielen ehemaligen Nationalsozialisten neue Identitäten beschaffte. Auch der Vatikan spielte eine entscheidende Rolle bei der Flucht von Kriegsverbrechern nach Südamerika oder in arabische Staaten.
Präzise zeichnet Gerald Steinacher die Fluchtwege von NS-Tätern nach, insbesondere die von den US-amerikanischen Geheimdiensten als „Rattenlinie“ bezeichnete Fluchtroute über Südtirol nach Rom oder Genua und von dort weiter nach Übersee. Er hinterfragt die Beteiligung der katholischen, aber auch der evangelischen Kirche sowie humanitärer Organisationen und beschreibt die vielfältigen Beziehungsgeflechte, auf die ehemalige Nationalsozialisten auf ihrer Flucht zurückgreifen konnten. Der Band trägt so entscheidend dazu bei, eines der dunklen Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte zu beleuchten.
Der Autor: Univ.-Doz. Dr. Gerald Steinacher ist Zeithistoriker und Archivar am Südtiroler Landesarchiv in Bozen, Mitglied mehrerer Historikerkommissionen in Deutschland und Italien sowie Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck und München. Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Zeitgeschichte Südtirols und zur Geschichte der Geheimdienste veröffentlicht.

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Colin Goldner, Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs Erweiterte Neuauflage, Alibri, 2008, 735 Seiten, Fotos, kartoniert, Euro 34.-
Weltweit darf der Dalai Lama zu fast jedem Thema in Mikrophone plappern: ob Menschenrechte oder Abrüstung oder Ökologie. Wer die beflissene Ehrerbietung, die dem „Gottkönig“ allerseits entgegengebracht wird, schon immer genervt zur Kenntnis genommen hat, sollte sich das Buch von Colin Goldner besorgen.
Denn Goldner schreibt eine politische Biographie des Dalai Lama, die gegen den Strich gebürstet ist. Das Buch folgt zum einen den Lebensstationen jenes Mannes, der als kleines Kind als „Reinkarnation“ Dalai Lamas „erkannt“ und im Kloster auf sein Amt vorbereitet wurde. Es beschreibt den Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee (der für Tibet, aller westlichen Propaganda zum Trotz, auch einen beachtlichen Modernisierungsschub, zum Beispiel im Bildungs- und im Gesundheitswesen, brachte) und die Flucht des Dalai Lama nach Indien. Und es schildert, wie aus einer Schachfigur im Kalten Krieg ein Friedensnobelpreisträger und Medienstar wird.
Noch aufschlussreicher sind die „Exkurse“, die sich systematisch mit einzelnen Fragen der tibetischen Geschichte sowie der besonderen Variante des tibetischen Buddhismus befassen. Vor allem, was die Lebensverhältnisse im Alten Tibet angeht, fördert Goldner erschütternde Informationen zutage; auch das Bild des friedfertigen, weisheitsorientierten Buddhismus erhält einige schwere Kratzer, denn durch die Geschichte des Lamaismus zieht sich eine Blutspur, die Dämonologie kann es locker mit der katholischen aufnehmen und die Rolle der Frau lässt sich nur als erniedrigend beschreiben.
Ganze Abschnitte seiner Arbeit widmet Goldner, der selbst mehrfach in Tibet und in Dharamsala war, der Menschenrechtsfrage. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass in Tibet diesbezüglich zwar „chinesische Verhältnisse“ herrschen, dass die Berichte der Pro-Tibet-Aktivisten jedoch maßlos übertrieben sind. Vor allem Behauptungen, die Militärdiktatur betreibe einen „kulturellen Völkermord“ reine Propaganda, haben rund 40 Jahre nach der Kulturrevolution keinerlei sachliche Grundlage mehr. Bis in die jüngste Vergangenheit  weist er den manipulativen Einsatz vor allem von Bildern (z.B. durch die Wahl des Ausschnitts oder falsche Bildunterschriften) nach.
Insgesamt ist Goldners Buch derzeit einzigartig – was die kritische Perspektive angeht und was die Informationsfülle betrifft.

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Sönke Neitzel, Abgehört - Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945. Mit einem Geleitwort von Ian Kershaw - 2007, erw. u. überarb. Ausg., XVI, 640 Seiten, mit SW-Abbildungen, List TB., 11.30 Euro,
ISBN-13: 9783548607603

Was dachte die deutsche Generalität während des Zweiten Weltkriegs über Hitler, die Kriegslage und die Siegesaussichten? Was wusste sie über die Kriegsverbrechen? Sönke Neitzel hat die Abhörprotokolle deutscher Stabsoffiziere in britischer Kriegsgefangenschaft ausgewertet und gewährt erstmals unmittelbaren Einblick in das Wissen und Denken der Wehrmachtführung.
Die Dokumentenedition umfasst 189 Abhörprotokolle aus dem britischen Sonderlager Trent Park. Dort wurden während des Zweiten Weltkriegs hochrangige deutsche Kriegsgefangene, vor allem Generäle und Stabsoffiziere, interniert, um ihre Gespräche systematisch abzuhören und auf diese Weise nachrichtendienstlich verwertbare Informationen zu gewinnen. Die edierten Gesprächsprotokolle waren das Ergebnis dieser Abhöraktion. Die Edition selbst ist eine Auswahl aus dem noch wesentlich umfangreicheren Aktenbestand, der im britischen Nationalarchiv lagert. Die Edition ist in vier Abschnitte gegliedert, die Abhörprotokolle zu den folgenden Themenkomplexen enthalten: allgemeine Reflexionen über den NS-Staat, die Strategie und den Kriegsverlauf, Gespräche über die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust, Stellungnahmen zum Widerstand gegen Hitler und zum 20. Juli 1944 sowie die Diskussionen über die Kollaboration mit dem Feind. Der Edition ist eine ausführliche, ausgewogene Einleitung vorangestellt. Nachteilig ist, dass man ständig zwischen dem Protokolltext und den Erläuterungen im sehr umfangreichen Anmerkungsapparat hin und her blättern muss.

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Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute, Be.bra Verlag, Berlin-Brandenburg 2008, Euro 20,50
Wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr überschaubar, für den "kleinen Bürger" nicht mehr erklärbar sind, dann boomen Weltverschwörungstheorien. Eine geheime Macht, die hinter den Kulissen die Fäden zieht, erklärt mit einfacher schwarz-weiß-Malerei, was komplex und schwer begreifbar ist. Wippermann zeichnet in seinem Buch eine geschichtliche Chronologie der Weltverschwörungstheorien, wie wir sie spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter beweisen können. Waren ursprünglich "nur" die Juden die angeblichen Drahtzieher von allem Bösen auf dieser Welt, so gesellten sich in späteren historischen Phasen Satanisten und Hexen, sodann Freimaurer und "Illuminaten" dazu. In unserer Gegenwart schließlich rühren auch böse Aliens kräftig im Weltverschwörungsbrei um. Interessant in diesem Buch sind u.a. die Ausführungen über antikommunistische, antikapitalistische und aktuelle antimoslemische und antiamerikanische Weltverschwörungsgeschichten. Heute ist dieses reichlich okkult angereicherte Heer von Verschwörerjägern zu einem brisanten Politikum geworden; wie seinerzeit in Dritten Reich. In trauter Eintracht mit dem Rechtsextremismus und dem islamischen Fundamentalismus sind Weltverschwörungsideen angetreten, um letztlich die Demokratie abzuschaffen und wieder einer Führer-Elite die politische Macht anzuvertrauen; damit diese uns von dem Übel der Weltverschwörung erlösen möge. Fazit des Autors: "Es droht ein Rückfall in eine vor- und antiaufklärerische Zeit." (S.163). Ein brisantes Buch, das seinen festen Platz im Feld politischer Aufklärung verdient. - Roman Schweidlenka

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Klaus Schnellenkamp. Geboren im Schatten der Angst. Ich überlebte die Colonia Dignidad, Herbig, München 2007, Euro 20,50
Seine Eltern waren in Deutschland angeworben worden. Andere Heilsucher kamen aus Österreich. Sie alle folgten Paul Schäfer nach Chile. Eine krude Bibelauslegung zwang zu unbedingtem Gehorsam. Mit harter Arbeit wurde jeder freie Gedanke ausgemerzt. Die Kindheit und Jugend in dieser Sekte war, wie es anschaulich in dem Buch nachgelesen werden kann, die Hölle. Sektenchef Paul Schäfer war aber nicht nur gnadenloser Führer und finanzieller Betrüger - er war auch pädophil, missbrauchte zahlreiche Jugendliche und übte sich im Waffenhandel. Der chilenische Faschismus unter Pinochet, für dessen Freilassung sich seinerzeit der damalige Papst und der jetzige Dalai Lama einsetzten, verbrüderte sich mit der Sekte, die den klingenden Namen Colonia Dignidad trug: Kolonie der Würde. Auf dem großen Gelände der Kolonie errichteten die chilenischen Faschisten ihr geheimes Folterzentrum. Politische Gegner wurden dort nach allen Regeln der Kunst gequält und getötet. Trotz Interventionen von Amnesty International und anderer Organisationen konnte sich die Foltersekte über 60 Jahre halten!
Es wirkt fast unglaubwürdig, wie der junge Schnellenkamp in dieser Welt des leibhaftigen Horrors überlebte und dann seine Flucht in die Wege leitete. Bald darauf wurde die Sekte von einer neuen Regierung aufgelöst und mit einer Prozesslawine überzogen. Der aufrüttelnde Tatsachenbericht über eine Kindheit und Jugend in einer faschistischen Sekte, von den Eltern entfremdet, mit Zwangsarbeit, Strafwillkür, Psychoterror und faschistischer Erziehungsdisziplin, geht unter die Haut. - Roman Schweidlenka

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Neugebauer, Wolfgang - Der österreichische Widerstand 1938-1945, Edition Steinbauer 2008, Broschur, 276 Seiten, 34 Abb. - ISBN: 978-3-902494-28-3 - 22,50 Euro
Der Autor gibt vor dem Hintergrund des NS-Terrors, aber auch der nationalsozialistischen Durchdringung breiter Bevölkerungsteile einen Überblick über die Gruppierungen und Formen des österreichischen Widerstands gegen das NS-Regime zwischen 1938 und 1945. Der Bogen spannt sich von sozialistischen und kommunistischen Organisationen über den Widerstand aus dem christlichen, konservativen und monarchistischem Lager, über überparteiliche Gruppen wie etwa "O5", den Partisanenkampf insbesondere der Kärntner Slowenen und Widerstand im Militär (Desertionen, Aktionen am 20. Juli 1944 und im April/Mai 1945) und in KZ bis hin zu den von unzähligen Einzelpersonen gesetzten Widerstandshandlungen ("heimtückische" Äußerungen, "Schwarzhören", nonkonformistisches Jugendverhalten, Hilfe für Juden und andere Verfolgte).
Ergebnisse und Stellenwert des Widerstands werden auch in Zusammenhang mit dem von den Alliierten in der Moskauer Deklaration 1943 geforderten "eigenen Beitrag" Österreichs zu seiner Befreiung behandelt. Biografische Exkurse, zahlreiche Faksimile, Quellentexte und Fotos ergänzen die Arbeit.

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Lisl Rizy, Willi Weinert: "Bin ich ein guter Soldat und guter Genosse gewesen?". Österreichische Kommunisten und Kommunistinnen im Spanischen Bürgerkrieg und danach. Wien 2008, 160 S. m. mehr als 270 Abb.; 15.- Euro (excl. Versandspesen). ISBN: 978-3-9502478-0-0.
Bestellen unter: Per Mail an: wiener.sternverlag@chello.at oder an Buchhandlung Hans Jauker, Wien 1140, Sampog. 4 (Tel. Nr. 985 97 77) oder schriftlich an: ISKRA: A 1160 Wien, Rankg. 2/5.
Das von Lisl Rizy und Willi Weinert gestaltete Buch hat die Intension, die Erinnerung an den Beitrag der Österreicher und speziell der österreichischen Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg wach zu halten. Dazu wählten wir die Form eines "Lesebuches", das aus bereits in der Vergangenheit publizierten Arbeiten, oder Auszügen daraus, zusammengestellt wurde. Und weil es konkrete Menschen mit Namen und Gesichtern waren, die an diesem Kampf teilgenommen haben, finden sich in diesem Buch erstmals die Namen der Kommunisten und Kommunistinnen, die als Freiwillige nach Spanien gegangen waren, sowie eine Liste jener, die Opfer in diesem antifaschistischen Kampf wurden, wobei auch jene erwähnt sind, die danach in den KZ's oder als antifaschistische Kämpfer an den verschiedensten Fronten des Kampfes gegen den Faschismus ihr Leben verloren.
Sie wurden nicht nur aufgelistet, um den hohen Anteil der Kommunisten an diesem Kampf zu dokumentieren, sondern auch um sie für die Zukunft im kollektiven Gedächtnis zu behalten. Sie gehören zu jener kleinen Gruppe von Österreichern und Österreicherinnen, die den, gemäß der Forderung der Alliierten Mächten auf der Moskauer Konferenz (1943), von Österreich geforderten Beitrag zur Befreiung Österreichs leisteten. Sie hatten Anteil daran, dass Österreich 1945 wieder als ein freier, unabhängiger Staat erstehen konnte.
Auch wenn diese Arbeit das Ziel verfolgt, die österreichischen Spanienkämpfer der Vergessenheit zu entreißen, ist es notwendig, darauf hinzuweisen, dass es nicht darum gehen kann, diese Menschen und ihre Taten zu überhöhen. Wie anderswo auch, handelte es sich um Menschen, deren Lebensumstände oft harte Bedingungen hatten, die in sich positive und negative Eigenschaften vereinten, bei einigen wenigen überwogen letztere. Dies tut aber der geschichtlichen Leistung der österreichischen Antifaschisten in Spanien keinen Abbruch.

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Erich Fein & Karl Flanner - Rot-Weiß-Rot in Buchenwald
Die politischen österreichischen Häftlinge im Konzentrationslager am Ettersberg - Überarbeitete Neuauflage - Verlag: Verein Alltag 2008, 268 Seiten, ISBN: 3902282193 

Buchenwald, das Konzentrationslager mit der anheimelnden Bezeichnung, die Hölle am Ettersberg bei Weimar, durch deren Tor während der Zeit ihres achtjährigen Bestandes 239.000 Menschen schritten, von denen mehr als 56.000 getötet wurden. Unter ihnen waren etwa 6.500 Österreicher, von denen mehr als tausend nicht mehr zurückkehrten.
Buchenwald, das Lager, in dem Kameradschaft und internationale Solidarität zum Sieg über den Terror der SS führten und in dem es den politischen Häftlingen gelang, sich Waffen zu besorgen, in einem günstigen Augenblick die durch den amerikanischen Vormarsch schwankend gewordenen SS-Bewacher zu verjagen, mehr als 200 von ihnen gefangen zu nehmen und sie später den amerikanischen Truppen zu übergeben. Man hat dies später als das »Wunder von Buchenwald« bezeichnet.

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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.)
Jahrbuch 2008 - Schwerpunkt Antisemitismus
Redaktion: Andreas Peham, Christine Schindler, Karin Stögner
Lit Verlag, Wien 2008, 285 Seiten, € 13,50
Das diesjährige Jahrbuch des DÖW nähert sich dem Phänomen Antisemitismus aus verschiedenen Blickwinkeln. Ausgehend von einem weiten Antisemitismus-Begriff, der allen Beiträgen zugrunde liegt und jede judenfeindliche Ein-/Vorstellung bzw. Handlung umfasst, wird insbesondere der Aspekt der Kontinuität in den Vordergrund gerückt.

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Bernhard Rammerstorfer - Ungebrochener Wille - Der außergewöhnliche Mut eines einfachen Mannes - Leopold Engleitner, geb. 1905
Biografie des ältesten Überlebenden der KZ Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück
ISBN 978-3-9502462-0-9, 448 Seiten, 184 Bilder, Pappband, Werkdruckpapier, Preis: € 24,90,
Eigenverlag Rammerstorfer, Herzogsdorf 2008 (im Buchhandel erhältlich) oder direkt über: www.rammerstorfer.cc
Das Buch enthält fast 60 Jahre lang verschollene Briefe Engleitners aus der Gefangenschaft, Originalprotokolle aus den 1930er-Jahren und KZ-Tatsachenberichte aus den Konzentrationslagern sowie beinahe 100 Jahre zurückliegende traumatische Kindheitserlebnisse.
Als Leopold Engleitner 9 Jahre alt war, trug sich in seinem Heimatort ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung zu, das zum Ersten Weltkrieg führte.
Obwohl Engleitner und der 16 Jahre ältere Adolf Hitler im gleichen österreichischen Bundesland (Oberösterreich) und im selben Kulturkreis aufgewachsen sowie im gleichen Schulsystem unterrichtet worden waren, entwickelte Engleitner völlig konträre Überzeugungen. Während Adolf Hitler zum Leidwesen von Millionen zum menschenverachtenden Massenmörder wurde, widmete Leopold Engleitner sein Leben dem Frieden und ließ sich davon selbst angesichts des Todes nicht abbringen.
Der einfache Bauernknecht brachte den außergewöhnlichen Mut auf, seinem Gewissen zu folgen und den Dienst in Hitlers Armee zu verweigern. Er grüßte nicht mit "Heil Hitler!". In drei Konzentrationslagern ertrug er unbeschreibliches Leid und magerte auf 28 Kilo ab. Nichts und niemand konnte seinen Willen brechen. Eine Unterschrift hätte genügt und er wäre frei gewesen, aber er gab seine religiöse Überzeugung als Zeuge Jehovas nicht auf. Nie verlor er seinen Optimismus. Engleitner kaufte sich im KZ sogar einen Koffer für die unmöglich scheinende Heimreise.
Nach dem Krieg wurde er jahrzehntelang ausgegrenzt und verachtet. Mit unerschütterlichem Gottvertrauen bewältigte er ein Leben voller Ablehnung und ließ sich die Lebensfreude nicht rauben. Engleitner ist jetzt der älteste Überlebende der KZ Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück.
Eine außergewöhnliche Freundschaft verhalf ihm zu einer unerwarteten Rehabilitierung.
Im hohen Alter begann der älteste bekannte KZ-Überlebende weltweit eine erstaunliche Tätigkeit als Zeitzeuge gegen das Vergessen und reiste mehr als 82.000 Kilometer durch Europa und die USA. Das entspricht einer Distanz von mehr als zwei Erdumrundungen. Tausenden von jungen Menschen führte er an Schulen und Universitäten, darunter die Columbia University und die Stanford University, die schrecklichen Auswirkungen totalitärer Regime und Gruppenzwang vor Augen. Mit seiner Lebensgeschichte sensibilisiert er die Jugend, bei Unrecht nicht zu schweigen und vermittelt die hohe Bedeutung von Toleranz und Menschlichkeit für den Frieden.
Im 102. Lebensjahr wurden Leopold Engleitner für seine mutige Haltung während des NS-Regimes und sein langjähriges verdienstvolles Wirken als Vortragender an internationalen Universitäten, Schulen und Gedenkstätten folgende hohe Bundesauszeichnungen verliehen:
- "Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich" vom österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer
- "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" vom deutschen Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler
"Das Werk ist ein Markstein in der Berichterstattung über die Schrecken des Nationalsozialismus. Das Buch ... ist eine Pflichtlektüre und ich freue mich, dass die Übersetzung in den Vereinigten Staaten bereits große Beachtung gefunden hat.
Man kann den Mut und die unglaubliche Standfestigkeit von Leopold Engleitner geradezu fühlen. Schwer misshandelt, ausgehungert, herabgewürdigt, gefangen und verhöhnt, ist er sich auch in den schlimmsten Zeiten treu geblieben."

Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident der Republik Österreich

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Walter Kohl , Nacht die nicht enden will. Fritz Inkret, Februarkämpfer 1934-1945, Leykam Verlag
ISBN: 978-3-7011-7606-9 - 160 Seiten, gebunden, EUR 24,90
Fritz Inkret aus Leoben erzählt in diesem Buch seine Geschichte. Mit 18 Jahren stand er im Februar 1934 als Schutzbundmann an einer Murbrücke und kämpfte gegen den Ständestaat. Was ihm Kerker einbrachte. Einige Jahre später saß er wieder hinter Gittern – diesmal eingesperrt vom NS-Regime. Die Erzählung über die dramatischen Momente im Leben dieses Mannes stellen mehr dar als eine individuelle Biographie. Der Lebenslauf des Fritz Inkret zeigt exemplarisch auch die Bruchlinien und Verschiebungen, die jene Jahrzehnte der österreichischen Geschichte prägten.

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RECHTE GLATZEN. Rechtsextreme Orientierungs- und Szenezusammenhänge - Einstiegs-, Verbleibs und Ausstiegsprozesse von Skinheads von Kurt Möller und Nils Schumacher. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007 (41,10 Euro)
Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen in Parteien organisierten Neonazis, "unpolitischen" bis diffus-rechtsextremen Skinheads und (partei-)"freien" Nationalisten. Die Skinhead-Szene als solche genommen sitzt aber zwischen 2 oder mehreren Stühlen: In Österreich meist noch pauschal als Neonazis bezeichnet, hat sich in Deutschland eine Einteilung in 4 verschiedene Richtungen eingebürgert: Rechsextreme/Neonazistische, unpolitische, antirassistische und linke/linksradikale Skinheads werden unterschieden. Die deutschen Politologen Kurt Müller und Nils Schumacher haben nun erstmals in größerem wissenschaftlichen Rahmen die diversen Ein-, Aus-, Umstiegs wie Verbleibsprozesse innerhalb der Skinheadszene und dem "normalen" Leben untersucht.

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Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, Euro 18,50
Seit einiger Zeit macht sie wieder von sich reden: Die totalitäre Organisation Scientology, um die es einige Jahre eher ruhig geworden ist. Nun hat sie Europa den Krieg erklärt und rüstet mit der Errichtung neuer Zentren, Kampagnen zur Rekrutierung der wichtigen Zielgruppe Jugendliche, mit Attacken gegen PsychiaterInnen und KritikerInnen erneut auf. Nach wie vor lebt der Sciento-logy Geheimdienst, geht es um Geld, viel Geld, immer noch warnen StaatsschützerInnen und andere KritikerIn-nen vor der Organisation, die öffentlich auf Meinungs-freiheit und Demokratie setzt und dahinter ein totalitäres System aufbaut, das den Menschen entmündigt, seine Freiheit raubt und ihn intensiv kontrolliert. Scientology und Demokratie - so der Tenor der Kritik - passen nicht in das selbe Boot.

Caberta, Expertin in Sachen scientologischer Strategien, hat mit ihrem aktuellen Buch eine Lücke im deutschen Buchmarkt erfreulicherweise geschlossen. Anschaulich werden Geschichte, Aufbau und Vorgangsweisen der Scientology dargestellt, die ganz besonders Eltern, Päda-gogInnen, LehrerInnen, Jugend- und SozialarbeiterInnen zur Information zu empfehlen sind. Der Frage, wie Ju-gendliche vor den totalitären SeelenfängerInnen geschützt werden können, geht die Autorin nach, indem sie auf ihre langjährige Erfahrung mit der Psychogruppe zurückgreift.

Roman Schweidlenka

Ernst Piper, Kurze Geschichte des Nationalsozialismus,
Hoffmann und Campe 2007, 352 Seiten,
ISBN 978-3-455-50024-0, 18,50 Euro

Schriften über den Nationalsozialismus gibt es wahrlich schon in ganzen Bibliotheken. Doch kann man sagen, ein Buch, das sich das Ziel setzt, eine "kurze Geschichte des Nationalsozialismus" zu liefern, hatten wir in der vorliegenden Form bisher noch nicht. Keine Kurzversion, die Stichworte und Jahreszahlen für lernfaule Schüler liefert, es behandelt die meisten Gesichtspunkte und ist zudem flüssig erzählend - daher sehr gut lesbar - geschrieben, was bei Sachbüchern ja bekanntlich nicht unbedingt weit verbreitet ist. Kritisieren muss man, dass der antifaschistische Widerstand praktisch völlig ingnoriert wird.
Außerdem ist die Gestaltung zu bekritteln. Man hat auf Illustrationen zur Gänze verzichtet und das Buch in bloß fünf Kapitel untergliedert, nicht einmal Zwischentitel fanden Verwendung. Das verleitet dazu, es nach kurzer Durchsicht per Daumen wieder wegzulegen. Aber das verdient es sich nicht. Beim Lesen spricht das Buch über weite Strecken an.
Vielleicht schafft der Verlag eine vernünftig gegliederte zweiten Auflage, Zeiträume von 1919-1924, 1925-1933, 1933-1939, 1939-1945 mit jeweils über sechzig, siebzig, achtzig Seiten und einer Vielfalt von Ereignissen nur durch Absätze zu unterteilen, ist einfach unprofessioneller, leserabschreckender Murks. Aber lasst Euch davon nicht abschrecken! Es ist trotzdem ein gutes Buch!

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Wolfgang R. Kubizek,
… und alle Toten starben friedlich …
Oratorium in fünf Teilen für Soli, Chor und Orchester
Text: Vladimir Vertlib
Die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) vergab im Gedenkjahr 2005 einen Kompositionsauftrag an den Komponisten Wolfgang R. Kubizek. Die Uraufführung fand im Mai 2007 zur Erinnerung an die Übergabe des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen an die Republik Österreich "mit dem Wunsche..., dass es eine Stätte zum Gedenken an die im Kampfe um ein freies und demokratischen Österreich gefallenen Opfer werde" (Hans Maršalek) statt.
Stückinhalt und musikalische Umsetzung
Das Stück beschreibt den Weg einer jungen Frau (Eva Klampfer, Alt), die versucht mit der belastenden Geschichte des Massenmordes in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern umzugehen. Ausgehend von einem Traum, mit dem naiven Bild, es hätte keinen Krieg gegeben (1. Teil: Der Traum), tritt sie mit verschiedenen Personen in Dialog. Andrea Wögerer, Sopran, singt die Passantin (2. Teil: Die Stimmen) sowie die Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings (3. Teil: Die Tochter). Johann Leutgeb, Bariton, ist in der Rolle des Passanten (2. Teil: Die Stimmen) sowie des Sohnes eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen (4. Teil: Der Sohn). Die junge Frau erfährt verschiedene Versionen von Geschichte. Ihre Frage "Wo liegt der Weg, den ich beschreiten muss?" bleibt im Stück unbeantwortet, aber nicht hoffnungslos (5. Teil: Der Weg).
Orchester und Chor, unter der Leitung von Christoph Cech, setzten sich vorwiegend aus Studenten der Anton Bruckner Privatuniversität Linz zusammen.
Mit zeitgemäßer, stiloffener Sprache nimmt sich das ambitionierte Werk eines belastenden Themas an. Es beschreibt die Schwierigkeiten junger Menschen, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs auseinander zu setzen und greift die Irritationen auf, die aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen entstehen.

Der Live-Mitschnitt ist am 15. Oktober 2007 auf einer Doppel-CD erschienen, diese kann im Fachhandel oder direkt über http://www.undalletotenstarbenfriedlich.at zum Preis von 21 Euro (inkl. Versand) bezogen werden.

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Winfried R. Garscha / Franz Scharf - Justiz in Oberdonau - 2007, 574 S.; 35 Euro - ISBN 978-3-900313-85-2
Grundlage des Gerichtsalltags, der von der gleichzeitigen Anwendung deutschen und österreichischen Rechtes geprägt war, bildete sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht die Ideologie der Volksgemeinschaft, die politische und "rassische" Gegner ausschloss. Vor diesem Hintergrund werden neunzig Fallbeispiele aus dem Bereich der Strafjustiz vorgestellt - in erster Linie Vermögensdelikte, Verstöße gegen kriegswirtschaftliche Regulierungsbestimmungen und die Arbeitsdisziplin, aber auch Fälle des verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen. Dabei werden die dem Gau Oberdonau angeschlossenen südböhmischen Gerichtsbezirke berücksichtigt.
Auch grundsätzliche Aspekte nationalsozialistischer Justiz werden behandelt. So wird etwa gezeigt, wie die Konstruktion von Tätertypen wie dem "Volksschädling" oder dem "jugendlichen Schwerverbrecher" aus Bagatelldelikten todeswürdige Verbrechen machte.

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Florian Freund / Bertrand Perz - Konzentrationslager in Oberösterreich 1938-1945 - 2007, 244 S.; 25 Euro - ISBN 978-3-900313-86-9
Von allen österreichischen Bundesländern war Oberösterreich am engsten mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslagersystem verbunden. Im Reichsgau Oberdonau entstanden die größten Lager auf österreichischem Gebiet - Mauthausen und unweit davon Gusen -, die bis Kriegsende vor allem als Tötungslager fungierten. Einschließlich Linz III, Ebensee und Gunskirchen befanden sich fünf der sechs Lager mit mehr als 5000 Häftlingen in Oberdonau. Ab 1941 wurden hier insgesamt 15 Außenlager des KZ Mauthausen errichtet.
Die vorliegende Studie gibt nicht nur einen Überblick über die Geschichte der KZs Mauthausen und Gusen, sondern stellt auch des weiteren auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich gelegenen Außenlager dar: Lager für Zwecke der SS, Lager für staatsnahe Grundstoff- und Rüstungsfirmen, Lager für den Kraftwerksbau an der Enns, Lager für unterirdische Rüstungsindustrien oder zum Bau von Luftschutzstollen, schließlich auch Lager für die Richtung Westen getriebenen ungarisch-jüdischen ZwangsarbeiterInnen.

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Heribert Schiedel - Der Rechte Rand - Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft - Edition Steinbauer 2007, 200 Seiten, ISBN: 978-3-902494-25-2 - Preis: € 22,50
Wenn Plakate mit "Daham statt Islam" werben, Kriegsspiele als "Jugendtorheiten" verharmlost und im Nachbarland "Ausländer" durch die Stadt gehetzt und misshandelt werden, spätestens dann sollte man sich die Frage stellen: Wer sind diese Leute und wie leben sie? Heribert Schiedel beobachtet die Szene seit fast 20 Jahren und legt nun eine umfassende Bestandsaufnahme des heimischen Rechtsextremismus vor. Sein Buch führt in die Begriffsbestimmungen und Erklärungsansätze aus politologischer Sicht ein. Es zeigt die Ursachen für Rassismus, Antisemitismus und Autoritarismus. Dabei macht der Autor die wechselnden Stichworte und Inhalte extremistischer Gesinnungen auch aus historischer Perspektive deutlich. Ob von der "Herrschaft der Ostküste" oder der "internationalen Hochfinanz" die Rede ist, immer steckt dahinter der Hass auf "den Juden" und die vermeintliche Überlegenheit der eigenen "Kultur". Schiedels Einblicke in die gewaltbereite Neonaziszene Österreichs zeigen auch erschreckende Details und erstaunliche Querverbindungen. Man trifft sich bei "Sonnwendfeiern", "Kultstättenwanderungen" und "ario-germanischen Ballspielen", träumt von "bewaffneten Männern", die den "Feinden entgegentreten, um zum vernichtenden blutigen Schlag auszuholen". Trotz allem bescheinigt Schiedel der österreichischen Situation eine relative Harmlosigkeit und nennt die Gründe dafür: "Die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu konstatierende Schwäche des gewalttätigen Rechtsextremismus steht in Zusammenhang mit der Stärke des parteiförmigen: Der österreichische Rechtsextremismus hat seit über 50 Jahren eine Vertretung im Parlament und in Länderregierungen. Daneben ist er über Veteranen-, Turner und Studentenverbände fest in den Alltag integriert". In der Folge erscheinen Antisemitismus, Rassismus und Autoritarismus heute nicht als Skandal, sondern als normal.
Dieses Buch richtet sich gegen den Hass, der den Extremismus motiviert, sucht nach den Hintergründen und bietet Erklärungsansätze dazu. Und es diskutiert Strategien, die extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft immer weniger plausibel und schließlich ganz überflüssig machen könnten.
Zum Autor: Heribert Schiedel, geboren 1967, Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Abteilung Rechtsextremismusforschung; Berichterstatter für das Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Anti-Semitism and Racism an der Universität Tel Aviv; Mitglied der Redaktion von Context XXI.

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Christian Felber - 50 Vorschläge für eine gerechtere Welt - Gegen Konzernmacht und  Kapitalismus - Deuticke, Wien 2006 336 S., Klappbroschur - ISBN: 3-552-06040-5 € 20,50
Der globalisierungskritischen Bewegung wird gerne vorgeworfen, sie würde nur Probleme  aufzeigen, aber keine Lösungen anbieten. Christian Felber, Mitbegründer von Attac  Österreich, entkräftet diesen Vorwurf eindrucksvoll. Pointiert und überzeugend präsentiert er  50 konkrete Alternativen zur gegenwärtigen Form der Globalisierung und zur Ökonomisierung  unseres Lebens. Die Lösungsansätze reichen von der Neugestaltung der Finanzmärkte und  des Welthandels über verbindliche Regeln für Konzerne und Standortkooperation bis hin zu  sozialer Sicherheit und globaler Steuergerechtigkeit. Das Buch ist ein leidenschaftliches  Plädoyer dafür, die Gestaltung der Zukunft in die eigene Hand zu nehmen und die Spielregeln  für die Wirtschaft neu zu schreiben.

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IRMAS ZEIT
Ein Film von Alenka Maly und Roland Freinschlag, DVD 16:9 Stereo, Laufzeit 33 Minuten, Preis: 15 Euro

Irma Trksak wurde 1917 in Wien geboren. Sie wurde wegen Widerstandes in einer Gruppe Wiener TschechoslowakInnen 1941 von der Gestapo verhaftet und in der Folge ins Frauen KZ Ravensbrück deportiert.
Seit Jahrzehnten ist sie als Sekretärin der Lagergemeinschaft Ravensbrück und als Zeitzeugin unterwegs, um ihre politische Lebenserfahrung an die nächsten Generationen weiterzugeben.
Der Film begleitet sie auf einer Reise durch Oberösterreich, dokumentiert die ständige, unermüdliche Wiedererinnerung quälender, fast unsagbarer Schrecken im Dienste der Aufklärung. Zwischen Klassen- und Hotelzimmern eröffnet Irma Trksak Türen zur Einsicht in die NS-Vergangenheit, führt die ZuhörerInnen ins Siemenslager und ins Vernichtungslager Uckermark.
Es ist Irmas ins Bild genommene Energie und Nachdrücklichkeit, die zum Inbegriff von lebenslangem politischem Widerstand wird.
REGIE Alenka Maly - KAMERA Roland Freinschlag
Zu bestellen bei: FIFTITU % - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur,
Kapuzinerstraße 36/1 - A-4020 Linz - Tel.: 0732-770353 - fiftitu@servus.at

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Oberösterreichisches Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus